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Jean-Marie Leclair

Scylla & Glaucus

Emöke Barath, Anders J. Dahlin, Caroline Mutel, Les Nouveaux Caractères, Sébastien D´Hérin u.a.

Alpha/Note 1 ALP960
(160 Min., 10 & 11/2014) 3 CDs

Jean-Marie Leclair war der erste große Violinist Frankreichs und trug sogar den Adelstitel „Französischer Corelli“: Zudem besiegte er in einem musikalischen Duell den Virtuosenkollegen Pietro Locatelli. So erfolgreich danach Leclairs Laufbahn in und um Paris verlief (am Hofe Ludwig XV. war er als „Ordinaire de la musique du roi“ tätig), so dramatisch schied er aus dem Leben. In der Nacht des 22. Oktober 1764 fand man ihn vor seiner Haustür – ermordet durch drei Messerstiche in den Rücken. Laut Ohrenzeugen verstand es Leclair, die Violine „wie ein Engel“ zu spielen. Und diese Gabe spiegeln nicht nur seine Kammermusikwerke und Solo-Konzerte wider. Monsieur konnte auch die menschliche Stimme mit allen verlockend himmlischen Reizen ausstatten. So geschehen – und äußerst beglückend gelungen – in Leclairs einziger Oper, für die er sich jenes Ovidsche tragische Liebesdrama ausgesucht hatte, in dem Scylla und Glaucus ständig auf der Hut vor der eifersüchtigen Circé sein müssen.
1746 wurde die Tragédie lyrique „Scylla & Glaucus“ in der Académie Royale de Musique ohne den erhofften Erfolg uraufgeführt. Was rückblickend und mit all den Opern im Ohr, mit denen nicht zuletzt Leclairs Zeitgenosse Rameau auftrumpfen konnte, schon äußerst verwundert. Denn Leclairs Partitur besitzt eigentlich alles, was dem Publikum hätte gefallen müssen. Die Instrumentalsätze sind höchst farbig gestaltet und decken die gesamte Ausdruckskala von rhythmisch beschwingt über lautmalerisch effektvoll bis chromatisch aufwühlend ab. Die Chöre kommen auch mit Wucht und Würde daher. Und für die Auftritte der drei Protagonisten hat Leclair alle jene Register gezogen, die die Größe und Tiefe einer Tragédie lyrique ausmachen. Dieser erst in den 1980er Jahren von John Eliot Gardiner wiederentdeckte Barockopernwurf ist nun zu neuen Ehren gekommen – dank des glänzend sich mit dieser Epoche auskennenden jungen Teams um Dirigent Sébastien D'Hérin. Und ebenfalls die Solistenpartien sind mit Sopranistin Emöke Barath (Scylla), Tenor Anders J. Dahlin als Glaucus sowie Sopran Caroline Mutel (Circé) so besetzt, wie es sich für solch eine gewichtige Opernrarität gehört.

Guido Fischer, 13.02.2016



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