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Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Maria von Weber, Jörg Widmann

Klarinettenkonzerte, Drei Schattentänze

Jörg Widmann, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Peter Ruzicka

Orfeo/Naxos C897151
(60 Min., 5/2013, 6/2014, 3/2015)

Früher kursierte unter Sängern die These, dass Neue Musik nur der Stimme schadet. Natürlich war das ein bis heute nicht belegtes Gerücht. Aber vielleicht gibt es ja ähnliche Schutzbehauptungen etwa auch unter Klarinettisten, die sich ihren dahinströmenden Atem nicht durch irgendwelche experimentellen Klimmzüge verunreinigen lassen wollen. Wer daran bislang festgehalten hat, der wird jetzt auf einen Schlag eines Besseren belehrt. Und zwar von Jörg Widmann, dieser als Komponist, Klarinettist und mittlerweile auch als Dirigent unermüdlich aktive Mehrfachbegabte. Auf seiner jüngsten Einspielung stellt er seine 2013 für Klarinette solo komponierten „Drei Schattentänze“ vor, die das Spektrum von Mikrotonalität bis zu Klappengeräuschen anspruchsvoll abstecken. Und im finalen „Danse africaine“ imitiert Widmann solange die 1001 Klänge einer afrikanischen Trommel, bis es plötzlich aus seinem Schlund wild herauskreischt. Nur wenige Sekunden später setzt sodann das „Allegro“ aus dem 1. Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber mit auch strammen Tutti-Signalen ein. Quasi als eine, unter Leitung von Peter Ruzicka vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin stilecht ausmusizierte Einleitung zu einer Opernarie ohne Worte. Dafür aber eben für Klarinette. Und aus dem „Schreihals“ Widmann ist nun auf dem Blasinstrument ein „Sänger“ geworden, der schwerelos, aber doch mit dem nötigen Gespür für das Tragische und Tiefempfindsame dieser Musik besticht. Völlig unbeschadet von den auch heftig ausschlagenden Schattentanzeinlagen gibt sich Widmanns zudem körperreicher, lieblicher und seligmachender Ton, mit dem er den Hörer in dem zweiten Paradestück des Konzertrepertoires geradezu an die Hand nimmt. Es ist das von ihm unzählige Male live gespielte und nun endlich in einem Konzert-Mitschnitt vorliegende Klarinettenkonzert Mozarts. So kontrastreich das Programm angelegt ist, so schafft es Widmann aber fast wie von selbst, dass man seine insgesamt rund achtminütigen Miniaturen so gar nicht als radikalen Fremdkörper zwischen den beiden Klarinettenkonzerten hört. Vielmehr ziehen die „Schattentänze“ einen in ihrer bisweilen verspielten Individualität genauso in den Bann wie die beiden Klarinettenwunderwerke aus vergangenen Zeiten.

Guido Fischer, 13.02.2016



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