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Crossover Beethoven

Marcus Schinkel Trio

BOS/Jaro BOSREC236-15
(54 Min., 8/2015)

Wenn sich einer dem Crossover-Gedanken glaubhaft verschrieben hat, dann der Bonner Pianist Marcus Schinkel. Eine Beethoven-Büste und ein Poster von „The Who“ teilten sich bei dem achtjährigen Klavieranfänger die Plätze rund um sein Instrument, dann wurde er Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters unter Peter Herbolzheimer, um als gestandener Mann schließlich Konzerte vor Kurt Masur zu geben oder mit Kim Wilde und Charlie Mariano zusammenzuarbeiten.
Schinkels Beschäftigung mit dem Kindheitshelden Ludwig van Beethoven, die zur Jahrtausendwende mit dem Programm „News From Beethoven“ begann, hat nun ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden. Auf „Crossover Beethoven“ baut der Pianist gemeinsam mit dem Bassisten Fritz Roppel und dem Schlagzeuger Wim de Vries belastbare Brücken zwischen der Vergangenheit und Gegenwart.
In seiner Bearbeitung der Klaviersonate Nr. 19 g-Moll op. 49 schreckt Schinkel nicht vor klassischen Klaviertrillern zurück, macht aber auch gleichzeitig immer wieder Gebrauch von eigentümlich hallenden Synthesizerklängen. So beispielsweise in der wie eine schwermütige Popballade daherkommenden Version der „Pathétique“, die von einem irritierenden Tinnituston durchzogen wird.
In „Going On The 5th“ zitiert das Trio gewitzt Beethovens 5. und verwandelt den berühmten Beginn in eine Fünfton-Phrase, die es munter im Rock- und Kammerjazz-Kontext durchdekliniert. „Die Wuth über den verlorenen Euro“ hingegen trägt die Zeitgenossenschaft bereits im Titel und verweist augenzwinkernd auf den Funk-Klassiker „Pieck Up The Pieces“ der Average White Band.
In der zweiten CD-Hälfte zeigen Schinkel, de Vries und der zum Fretless Bass greifende Roppel, dass sie im Bereich des Fusionjazz mit krummen Takten und asiatisch angehauchten Melodien bestens bewandert sind. Die Entfernung von Beethoven, der nur noch in den Stücktiteln auftaucht, verleiht dem Album eine gewisse Uneinheitlichkeit. Die sieht man dem Trio dank seiner großen Spielfreude aber gerne nach.

Josef Engels, 27.02.2016



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