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Curiosity

Kaleidoscope String Quartet

Traumton/Indigo 111322
(46 Min., 10/2014)

Dem Verhältnis von Streichinstrumenten zum Jazz wohnt eine natürliche Problematik inne: Das Klang- und Tonbildungsideal im Jazz ist der expressive Bläsersound mit seiner in den Ton gleitenden oder ihn nach oben oder unten ziehenden Intonation. Auf einem gestrichenen Saiteninstrument wirkt das schnell entnervend. Wer kennt nicht die gestrichenen Kontrabasssoli, bei denen selbst gepriesene Meister dieses Instruments kläglich scheitern. Die kleiner mensurierten Instrumente eines Streichquartetts wiederum werden meist gestrichen, und so potenziert sich diese jazztypische Streicherproblematik; selbst so wegweisende Ensembles wie das Kronos Quartet oder das radio.string.quartet entgehen ihr mitunter nicht. Mit seinem zweiten Album „Curiosity“ wagt sich das Schweizer Kaleidoscope String Quartet erneut auf das verminte Terrain. Simon Haggendorn, Ronny Spiegel, David Schnee und Solme Hong sind gestandene Mitt-/Enddreißiger, bestens beschlagen und beleumundet in den Genres Klassik, Jazz und auch Rock. Primarius Heggendorn ist der Hauptkomponist, nur zwei der neun Titel stammen vom Bratscher David Schnee. „Wir komponieren eher aus der Perspektive des Musikers und des Publikums und erheben nicht den Anspruch, Avantgarde zu sein“, lautet ihr Bekenntnis. Das Ergebnis ist eine äußerst vergnügliche und intelligente Musik, die ohne Gefälligkeitsgesten über die eingangs beschriebene Problematik erhaben ist. Es klingt, als fröne ein überzeugter neutönerischer Komponist seiner heimlichen Liebe zur tiefrgündig changierenden harmonischen Farbigkeit in Rifftechnik und einer abwechselnd allen Solisten auf den Leib geschriebenen, logisch diskursiven Linearität. Das erzeugt sequenzierte Spannungswellen oder verschlungene, doch stets transparente Schichtungen – und ist keinen Augenblick langweilig.

Thomas Fitterling, 05.03.2016



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