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Sergei Prokofjew

Sämtliche Klaviersonaten

Stephane Ginsburgh

cypres/Note 1 CYP 1674
(171 Min., 7 & 8/2013) 3 CDs

Wechselweise oder auch gleichzeitig darf man sich beim Hören dieser CDs freuen über die Fülle der vermutlich bisher ungehörten Musik und über die exzeptionelle Qualität der Interpretation, mit der der Belgier Stephane Ginsburgh diese Musik zu adeln versteht. Freilich ist diese Musik nicht „neu“ im Sinne von auch nur annähernd „zeitgenössisch“: Prokofjews neun Klaviersonaten entstanden in den Jahren 1907 bis 1947. Und auch in jener Zeit gab es so manches, was schon damals neuer tönte. Wie aber hier ein bestaunenswerter Klaviervirtuose, der Prokofjew war, sich seinen Weg zu bahnen verstand zwischen den Ansprüchen, die seine Kreativität und sein künstlerisches Gewissen einerseits und ein auch kulturpolitisch höchst autoritärer Staat andererseits an ihn stellten, beeindruckt doch sehr. Sein größter Wunsch – eine originelle, eigenständige Tonsprache zu finden – ist, so dürfen wir wohl konstatieren, durchaus in Erfüllung gegangen. Stephane Ginsburgh spürt der bald klotzigen, bald filigranen Virtuosität in diesen Partituren ebenso fingerfertig und kompetent nach wie auch der eigenwilligen Polyphonie, die sich auf Basis von markanten, oft schroffen Motiven und Themen immer wieder entwickelt. Ein Feuerwerk der Kreativität ist diese Musik im Blick auf ihre Ganzheit, ein Feuerwerk der Kreativität ist aber auch ihre Interpretation durch einen brillanten Denker am Klavier, der offenbar besondere Herausforderungen so sehr braucht wie andere Menschen Luft zum Atmen.

Michael Wersin, 05.03.2016



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