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Dmitri Schostakowitsch

Sämtliche Streichquartette

Quatuor Danel

Alpha/Note 1 ALP226
(386 Min., 2003-2005) 5 CDs

Bereits 32 Jahre alt war Dmitri Schostakowitsch, als er 1938 sein erstes Streichquartett komponierte. Und bis ein Jahr vor seinem Tod sollten 14 weitere entstehen, die in seinem Schaffen einen besonderen Stellenwert einnehmen. Während Schostakowitsch mit seinen Sinfonien immer auf dem Grat zwischen politischer Anpassung und Widerstand balancierte, konnte er in den Streichquartetten seine privaten und seelischen Empfindungen ungeschönt, bisweilen bestürzend und nicht zuletzt mit einer durchaus avancierten Klangsprache zum Ausdruck bringen, gegen die er andererseits offiziell auch schon mal zu Felde zog. Exemplarisch dafür stehen die von dodekaphonischen Experimenten durchzogenen Quartette Nr. 12 & 13, die nach Schostakowitschs 1968 gehaltener Verbalattacke gegen jede Form von Avantgardismus entstanden waren. Doch so widersprüchlich die Haltung zwischen dem Funktionär und dem künstlerischen Geheimnisträger Schostakowitsch war – jedes seiner Streichquartette besitzt eben diesen unerbittlich klagenden und am Leben verzweifelt laborierenden Ton, der sich geradezu ins Herz bohren muss. Vorausgesetzt, man geht mit einer nicht überzogenen Anteilnahme, mit wohldosiertem Pathos und dem nötigen Feingespür auch fürs volksmusikalische Zitat an diesen Werkkoloss heran.
Gepaart mit einer Spielperfektion, die keinerlei Wünsche offen lässt, gelang dem in Brüssel beheimateten Quatuor Danel so vor über zehn Jahren eine in allen Belangen bewundernswerte Gesamteinspielung aller Schostakowitsch-Quartette. Jetzt sind die Einzelaufnahmen in gebündelter Form wiederveröffentlicht worden. Und warum sich das Quatuor Danel damit in eine Reihe mit den Kollegen vom Borodin Quartett und dem Emerson String Quartet gestellt hat, spiegelt allein der Eröffnungssatz von Schostakowitschs Abschiedsquartett wider. Fast 14 Minuten lang tastet sich das Quatuor Danel mit einer von allem Gefühligkeitsballast gereinigten Ausdrucksintensität durch die dunklen Klangräume dieser Adagio-„Elegie“. Und was danach bleibt, ist eigentlich nur atemlose Stille.

Guido Fischer, 05.03.2016



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