Robert Schumann

Violinkonzert, Klavierkonzert (Sinfonische Werke Vol. 4)

Patricia Kopatchinskaja, Dénes Várjon, WDR Sinfonieorchester Köln, Heinz Holliger

audite/Edel 1097717ADT
(64 Min., 2 & 3/2015)

 

Robert Schumann

Konzertstücke, Fantasie für Violine und Orchester (Sinfonische Werke Vol. 5)

Patricia Kopatchinskaja, Alexander Lonquich, WDR Sinfonieorchester Köln, Heinz Holliger u.a.

audite/Edel 1097718ADT
(68 Min., 2 & 3/2015)

 

Im Rahmen der Gesamteinspielung der Orchesterwerke von Robert Schumann stehen jetzt konzertante Werke im Mittelpunkt zweier weiterer Folgen. Auf Vol. 4 sind das Violinkonzert und das Klavierkonzert zu hören. Vol. 5 kombiniert die Fantasie für Violine und Orchester op. 131 mit den Konzertstücken für Klavier (opp. 92 & 134) sowie für vier Hörner op. 86. Altbekanntes und wie im Fall des Violinkonzerts längst rehabilitiertes Repertoire also, das vom sachverständigen WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung Heinz Holligers aufgenommen worden ist. Doch schon der Dirigent ist eigentlich Garant für ein Schumann-Bild fernab jeglichen romantischen Mainstreams. Denn nicht zuletzt als Komponist hat Holliger sich immer auf die Spuren des Visionärs Schumann, dieses Wegbereiters der Moderne, gemacht. Und so macht Holliger jetzt durchaus Tabula Rasa mit alten Gewohnheiten. Seelenlos ist das Ergebnis selbstverständlich nicht. Aber es sind immer wieder diese retardierenden Momente, die – wie im langsamen Satz des Klavierkonzerts – den Fluss ins Stocken geraten lassen und damit das Irritierende dieser Musik betonen.
Ähnlich verstehen die Solisten ihren Part. Herb, mit ungeschöntem Zugriff, bis an die Grenze des Brutalen richtet Patricia Kopatchinskaja den Blick auf die klaffenden Wunden, die diese Partitur eben auch offenbart. Und der Finalsatz ist trotz des Sehnsuchtstons doch ein einziger Seelentaumel. Nicht ganz so radikal neue Wege wie Kopatchinskaja geht Dénes Várjon beim Klavierkonzert. Dennoch scheint selbst der emphatisch vorwärtstreibende, sich zwischendurch verwirbelnde Fluss ins Nichts zu führen.
An diese gestalterisch anregenden, zum Teil enorm aufwühlenden Schumann-Perspektiven kommt Vol. 5. nicht ganz heran. Was angesichts der Substanz gerade der Konzertstücke für Klavier und Orchester, aber auch der Violin-Fantasie kein Wunder ist. So fortlaufend selig, wie es Pianist Alexander Lonquich anfänglich mit seinem Spiel behauptet, geht es dann aber doch nicht zu. Auch hier kommt es zu unverhofften Einschlägen, die einen aufschrecken, beunruhigen. Ins hymnische Land der Schwärmerei lädt aber schließlich das Konzertstück für vier Hörner ein – dank der vier Bravour-Hornisten des WDR Sinfonieorchesters Köln.

Guido Fischer, 19.02.2016




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