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Franz Tunder

Orgelwerke

Manuel Tomadin

Stradivarius/Note 1 STR 37029
(91 Min., 10/2014 & 4/2015) 2 CDs

Mehr ist es leider nicht: Auf zwei CDs passt das komplette überlieferte Orgelwerke von Franz Tunder (1614-1667), großer Vorgänger von Dietrich Buxtehude an der Lübecker Marienkirche. Das Orgelspiel war seinerzeit vor allem eine Improvisationskunst, notiert wurde eher ausnahmsweise. Nicht wenig an Material mag zudem verlorengegangen sein.
Der italienische Organist Manuel Tomadin bringt Tunders Präludien und Choralbearbeitungen nebst einer Canzon auf einer 2011 eingeweihten Orgel in Pinerolo (Piemont) zum Erklingen. Das Instrument wurde in Anlehnung an Arp-Schnitger-Vorbilder konstruiert, und es verfügt über jene herrlich prägnanten, klar konturierten Klangfarben, die man heutzutage auch von sorgfältig ausgeführten neuen Barockorgeln erwarten darf. Tomadin zeigt sich bestens inspiriert von den reichen Möglichkeiten des Instruments: Mit artikulatorisch wie agogisch sehr feinsinnigem Spiel bringt er Tunders Meisterwerke optimal zur Geltung. Was bis vor nicht allzu langer Zeit noch als bloße Vorstufe zu Bachs Orgelmusik galt und entsprechend geringschätzig als „Blattspiel-Literatur“ abgetan wurde, entfaltet auf diese Weise seine volle Wirkung: Intelligent durchstrukturierte Choralvariationen sowie zwischen freier Fantasie und strenger, Ricercar-artiger Polyphonie wechselnde Präludien repräsentieren den vollen Glanz der norddeutschen Orgelschule, die sich, durch Sweelinck maßgeblich beeinflusst, über Tunder und Buxtehude hinaus noch bis hin zu Georg Böhm und Vincent Lübeck erstrecken sollte.

Michael Wersin, 19.03.2016



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