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Mel Bonis, Edvard Grieg, Arvo Pärt, Franz Schubert, Hans Werner Henze u.a.

Solitaires (Klaviertrios)

Boulanger Trio

CAvi/harmonia mundi CAVI8553345
(69 Min., 5/2014)

Abseits des zumeist großdimensionierten Standard-Repertoires lässt sich gerade für eine neugierige Klaviertrioformation wie das Boulanger Trio immer noch vieles entdecken. Und wenngleich die jetzt aufgenommenen Einzelsätze bzw. Mini-Zyklen sich ab sofort auch im Zugabenteil des Trios wiederfinden werden, erweist sich die mit „Solitaires“ betitelte Zusammenstellung als eine auch substanzreiche Entdeckungsreise durch die Welt des Klaviertrios im 19. und 20. Jahrhundert. Das älteste Stück auf dieser Aufnahme ist zugleich auch das bekannteste. Es ist Franz Schuberts Es-Dur-Adagio D 897 aus dem Jahr 1827, das jetzt seligmachend in friedvoller Ruhe, sowie mit einer den Himmel beschwörenden Geste erklingt. Ins Nostalgische, Tränenreiche taucht unmittelbar darauf das „Adagio adagio“ (1993) von Hans Werner Henze ab – womit zudem einmal bewiesen wäre, dass ein zeitgenössisches Musikstück sich durchaus gegenüber dem musikalischen Zeitgeist behaupten kann.
Überhaupt besitzt eigentlich jedes noch so scheinbar ohne großen Anspruch hingeworfene Werk einen mehr als ansprechenden Geist und Atem. Das gilt etwa für die charmanten Piècen der Französin Mélanie Hélène Domange (1858-1937), die unter dem Pseudonym Mel Bonis veröffentlicht hat, die melosreichen „Drei Nocturnes“ des Schweizers Ernest Bloch oder für die herrlich elegische „Sérénade lontaine“ von George Enescu. Und auch ihren ganzen Zauber feiern die drei Musikerinnen jetzt mit einer Noblesse, wie man es sich nicht vollendeter wünschen kann. Bei Arvo Pärts „Mozart-Adagio“ dagegen kostet man das Tragische punktgenau konzentriert und ohne falsches Pathos aus. Das Boulanger Trio sollte unbedingt irgendwann seine musikalische Spurensuche fortsetzen und auf „Solitaires II“ festhalten.

Guido Fischer, 02.04.2016



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