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Emily's D+Evolution

Esperanza Spalding

Concord/Universal 7238265
(46 Min.)

Tim Lefebvre zupfte bekanntermaßen den Bass auf David Bowies letzter, mit einem Jazzquintett aufgenommenen Platte „Blackstar“. Aber eigentlich hätte dringend Esperanza Spalding diese Rolle übernehmen müssen. Zu dem Schluss kann man nur kommen, wenn man Spaldings neue, nach einer dreijährigen Auszeit eingespielte CD hört.
Auf „Emily's D+Evolution“ zeigt die Bassistin und Sängerin nämlich exakt jene Extravaganz, für die Bowie berühmt war. Will heißen: irgendwo zwischen Rock, Pop und Avantgarde-Musical angesiedelte Stücke, dazu assoziationsreiche, selbstreflexive Texte sowie die Erschaffung einer Kunstfigur. Was für Bowie Ziggy Stardust war, ist für Spalding nun Emily, „ein Geist, ein Wesen oder eine Haltung“, wie die singende Bassistin es selbst etwas kryptisch formuliert.
Diese Emily jedenfalls hat aus dem Jazzvorzeigetalent Esperanza, das schon vor Barack Obama spielte, eine Rockgöre mit leichter ADHS-Störung gemacht. Das führt zu durchaus interessanten Songkonstrukten, die dank des Gitarristen Matt Stevens nach Crossover-Black-Rock à la Living Color oder Jean-Paul Bourelly klingen. Und aufgrund der immer noch vorhandenen Esperanza in Emily gesangliche und kompositorische Anbandlungen mit Prince („Unconditional Love“), Joni Mitchell („Noble Nobles“), Kendrick Lamar (das virtuose Sprechgesangs-Intro von „Ebony and Ivy“!) sowie George Clinton („Funk The Fear“) aufweisen.
Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass die stellenweise arg artpoppig aufgekratzten Stücke mit ihrem Hang zum Rockopernhaften schon recht nervig sein können. Da zeigt sich dann der Unterschied zwischen der fabelhaften Sängerin/Bassistin Emily/Esperanza und dem Gesamtkunstwerk Bowie – der fand in seinen besten Tagen stets die Mitte zwischen Exaltiertheit und Melodien für die Ewigkeit.

Josef Engels, 02.04.2016



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