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Claudio Monteverdi

Il pianto della Madonna

La Compagnia del Madrigale

Glossa/Note 1 GCD922805
(68 Min., 8 & 9/2014)

Ein Nebenschauplatz im Vokalwerk von Claudio Monteverdi, der aber keineswegs des Reizes entbehrt – vor allem, wenn eine so erfahrene Gruppe sich dieser Literatur mit solcher Inbrunst widmet! Worum geht es also? – Es gibt eine bemerkenswerte Anzahl geistlicher Kontrafakte von weltlichen Vokalstücken Monteverdis – das Neutextieren von Madrigalen mit mehr oder weniger großer Rücksicht auf den ursprünglichen Wort-Ton-Bezug war eine beliebte Technik, um diese im Verlauf des 17. Jahrhunderts mehr und mehr geschätzte Musik auch für die Liturgie nutzbar zu machen. Dabei erstaunt es, dass nach anfänglichen Streitigkeiten um die satztechnischen Wagnisse der „seconda pratica“ gerade aus geistlicher Richtung enthusiastische Zustimmung zu Monteverdis Musik kam; immerhin war ja auch Artusi, einst sein schärfster Kritiker, ein Mönch gewesen! Bald jedoch hielt man Monteverdis Madrigale gerade aufgrund ihrer sehr differenzierten Textausdeutung, die eben auch musikalische Härten nicht scheut, für geradezu „himmlische“ Musik; dies gab Anlass dazu, ihnen Psalm- oder Antiphonentexte sowie auch freie geistliche Poesie neu zu unterlegen, um das Ausdruckspotential der Musik auch für die geistliche Sphäre nutzbar zu machen. Prominentes Beispiel am Beginn des Programms ist hier „Iam moriar, mi fili!“, eine Marienklage zur Musik des „Lamento d’Arianna“. Weitere herrliche Stücke folgen – herrlich vor allem deswegen, weil die Sängerinnen und Sänger der „Compagnia del Madrigale“ sich mit der bekannten Mischung aus Stimmschönheit und Expressivität auch dieser Musik annehmen. Sprachnähe und Ausdrucksintensität konsequent ausreizen, ohne dabei die pure klangliche Pracht zu vernachlässigen – besser dargeboten kann man Monteverdis Musik in diesen Tagen nicht erleben.

Michael Wersin, 02.04.2016



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