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Sergei Prokofjew

Sinfonie Nr. 5, Skythische Suite

Tugan Sokhiev, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Sony 88875185152
(68 Min., 10/2013, 4/2014)

Als der russische Dirigent Tugan Sokhiev 2014 völlig unerwartet mitteilen ließ, dass er nach lediglich vier Jahren Amtszeit 2016 das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin verlassen wird, war man in der Hauptstadt zu Recht enttäuscht. Denn dass es zwischen dem Chefdirigenten und Orchester künstlerisch nicht gepasst hätte, kann man auch dank des jüngsten Albums nun wahrlich nicht behaupten. Ganz im Gegenteil. Die Live-Mitschnitte aus der Berliner Philharmonie dokumentieren ein zeitgemäßes Prokofjew-Bild, bei dem einerseits der hyperventilierende Stile Barbaro und die klangpropagandistischen Assoziationen auf ein erholsames Maß zurückgefahren wurden. Dennoch besitzt diese russische klassische Moderne ausreichend Biss und Zugkraft, Schärfe und Eleganz, um die Aufmerksamkeit und Spannung ohne eine Sekunde des Verschnaufens und Durchatmens hochzuhalten.
Die beiden gekoppelten Prokofjew-Werke stammen aus zwei Schaffensperioden. Die 1916 komponierte, im 2. Satz fast hollywoodeske Breitwandsound-Opulenz annehmende „Skythische Suite“ basiert auf einem Ballettprojekt, das Prokofjew quasi als Antwort auf Strawinskis Ballettknaller „Le sacre“ geschrieben hatte. Die 5. Sinfonie entstand dagegen im vorletzten Kriegsjahr 1944 und ist ein Ausbund an motorischer Unruhe, abgedunkelter Dämonie und frech furiosem Treiben. Dass ein Russe wie eben Tugan Sokhiev diese typischen russischen Klangidiome im Blut hat, ist keine besondere Überraschung. Dass aber das DSO Berlin die Bluttransfusion derart mit Drive und Wärme, Transparenz und Plastizität umsetzen würde, ist schon verblüffend. Ab Saisonende 2015/16 will sich Tugan Sokhiev also ganz dem Moskauer Bolschoi-Orchester widmen. Den berühmten Koffer in Berlin sollte er aber unbedingt beim DSO deponieren.

Guido Fischer, 02.04.2016



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