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Ludwig van Beethoven

Lieder & Bagatellen

Werner Güra, Christoph Berner

harmonia mundi HMC 902217
(63 Min., 9/2014)

Beethovens Klavierlieder gehören für viele Freunde des Kunstliedes noch nicht so mitten in das Repertoire, das sie eigentlich schätzen – beginnt nicht das Lied so richtig erst bei Schubert und wird dann bei Schumann, Brahms oder Wolf in immer anderer Weise stets aufs Neue interessant? Nun ja, immerhin haben wir von Beethoven die „Adelaide“ und natürlich den Zyklus „An die ferne Geliebte“… und weil Werner Güra mit Christoph Berner noch den ein oder anderen Gesang dieser Qualitätsstufe (z.B. das gleich eingangs zu hörende „An die Hoffnung“) präsentiert, wird uns mit dieser CD nicht langweilig. Auf den „Marmottenbuben“ oder das „Flohlied“ verzichten die Interpreten zum Glück, dafür hören wir übers Programm verteilt die sechs Bagatellen op. 126 – eine gute Idee! Sie bringen den wunderbaren Streicher-Hammerflügel von 1847 ebenso pur zur Geltung wie freilich auch Christoph Berners Interpretationskünste. Er gestaltet die „Nebensächlichkeiten“ mit besonderem Blick auf ihre musikalisch-rhetorischen Qualitäten und präsentiert sie so als kleine expressive Ergüsse oder gar Szenen.
Werner Güra erfreut durch seine angenehm unprätentiöse Art, mit seinem sehr lyrischen, immer mehr „prégardienesken“ Material zu zaubern. Keine Allüren oder Hypertrophien stören den Vortrag, Ausdruck wird differenziert, aber stets dezent umgesetzt. Mit ihrer Leichtgängigkeit eine wahre Liedstimme, um die man sich immer gleich ein wenig Sorgen macht, wenn es mal zu größerer Kraftanwendung kommt … Aber Güra hat mittlerweile durch viele Karrierejahre hindurch bewiesen, dass er die Weisheit besitzt, sich nicht zu überfordern. Und so dürfen wir auf dieser CD u.a. eine „Adelaide“ genießen, wie man sie in so edel-gediegener Geschliffenheit und Feinsinnigkeit nicht so oft zu hören bekommt.

Michael Wersin, 09.04.2016



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