Responsive image

Shift

Logan Richardson

Blue Note/Universal 0667158
(59 Min., 12/2013)

Prominente Gaststars sind sicherlich hilfreich, wenn man als weitestgehend unbekannter Musiker Aufmerksamkeit bekommen will. Der aus Kansas City stammende und inzwischen in Paris lebende Altsaxofonist Logan Richardson sorgt mit seinem Blue-Note-Debüt allerdings nicht deshalb für Aufhorchen, weil er dafür Pat Metheny und Jason Moran an Gitarre und Klavier gewinnen konnte.
Es ist vielmehr so, dass es dem 35-Jährigen gelingt, aus diesem Zusammenschluss höchstkarätiger Improvisatoren (den Bassist Harish Raghavan und Drummer Nasheet Waits komplettieren) eine richtige Band zu formen, in der keiner den anderen übertrumpft.
Es liegt an Richardsons Kompositionen, die gleichzeitig atmosphärisch sehr geschlossen und dann doch wieder ungemein offen sind. Die Stücke lassen den Akteuren genügend Platz, sich dem Augenblick hinzugeben – Metheny etwa kann seine Gitarrenhymnik wohldosiert einbringen oder ruppig röhren, Waits sein Schlagzeug sturzbachartig prasseln lassen –, und dennoch vermitteln die sich in kurzen Phrasen immer intensiver um sich selbst drehenden Melodieeinschübe ein Gefühl der konzentrierten Dichte.
Als Kind der Gegenwart nutzt Richardson die gesamte Stilpalette von Postbop, Indierock, Klassik und Pop (so verwandelt er als einzige Fremdkomposition auf dem Album Bruno Mars' Gute-Laune-Song „Locked Out Of Heaven“ in ein gespenstisches Fegefeuer der Wunderlichkeiten); anders als andere Altersgenossen markiert er die Genregrenzen jedoch nicht scharf. Alles verschwimmt, alles zerfließt auf „Shift“. Und dazu erklingt dann immer wieder dieses geheimnisvolle Altsax, das in seiner Jenseitigkeit an Spiritualisten wie Charles Lloyd erinnert. Richardson ist hier kein Stichwortgeber für Stars, sondern – als emotionales Zentrum der Aufnahme – ein echter Bandleader.

Josef Engels, 23.04.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top