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Antoine Forqueray

Werke für Viola da gamba

Atsushi Sakai, Christophe Rousset, Marion Martineau

Aparté/harmonia mundi AP122
(200 Min., 7 & 9/2015) 3 CDs

Monsieur muss eine eigenwillige Persönlichkeit gewesen sein. So bezeugte der Musikschriftsteller Hubert Le Blanc in seiner legendären Schrift über die Viola da gamba, „Defense de la basse de viole“, dass Antoine Forqueray (1672 - 1745) nicht nur ein Titan auf dem Streichinstrument war. Als „launig“, „verschroben“ und „bizarr“ bezeichnet er ihn. Und Forqueray scheint diesen Attributen nicht nur als Ehemann gerecht geworden sein (seine Gattin ließ er in Armut zurück, um das Leben fortan in vollen Zügen zu genießen), auch als Vater war er nicht immer ein Segen für seinen Sohn. Denn als sich andeutete, dass Jean-Baptiste Forqueray ihn auf der Gambe vielleicht überflügeln könnte, ließ er ihn 1719 ins Gefängnis stecken! Spätestens drei Jahre vor seinem Tod schien Forqueray dann aber doch wieder seinen Frieden mit dem Junior gemacht zu haben. Schließlich überließ er 1742 Jean-Baptiste den Posten als „Musicien Ordinaire de la Chambre du Roy“, den er seit 1689 in Versailles bekleidet hatte. Und Jean-Baptiste sollte es ihm danken. 1747 veröffentlichte er über 30 Gambenstücke von Antoine in Form von fünf Suiten. Zwar kursiert bis heute in Forscherkreisen weiterhin die Vermutung, dass manche der „Pièces de viole“ möglicherweise gar vom Sohnemann stammen könnten. Doch angesichts der Resultate sind solche Diskussionen nur Haarspaltereien. Denn wie der in Paris ausgebildete Japaner Atsushi Sakai mit Cembalist Christophe Rousset und Gamben-Kollegin Marion Martineau diese Musik atmet und mit einem größtmöglichen Ausdrucksspektrum von berührender Würde bis zu stolzem Elan veredelt, bietet höchsten Genuss und Gedankenreichtum. Daher kann man jetzt auch nicht anders, als ohne Pause fast drei Stunden lang durch diesen kunstvoll angelegten französischen Barockklanggarten à la Forqueray zu flanieren.

Guido Fischer, 30.04.2016



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