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Johannes Brahms

Klaviertrio Nr. 1, Klavierquartett Nr. 3

Trio Wanderer, Christophe Gaugué

harmonia mundi HMC 902222
(74 Min., 1/2015)

Ende 1853 hatte Johannes Brahms mit drei groß dimensionierten Sonaten bereits drei Meisterwerke auf dem Gebiet der Klaviermusik vorgelegt. Seine Feuertaufe in der Sinfonik wie in der Kammermusik stand hingegen noch aus. Mit dem um die Jahreswende 1853/54 entstandenen Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8 wagte er sich aber sogleich an eine kammermusikalische Gattung, die von Haydn, Mozart und Beethoven maßgeblich geprägt worden war. Heraus kam ein überschwänglich melodisierendes wie umfangreiches Werk. Schon im Eingangssatz „Allegro con brio“ verarbeitete Brahms gleich fünf Themen über rund 500 Takte lang, um zudem in der Reprise seinen Gedankenreichtum mit einem Fugato zu untermauern. Und irgendwie wirkt dieses kontrapunktische Intermezzo immer noch leicht wie ein Fremdkörper. Auch bei der Neueinspielung des Trio Wanderer, das die Farb- und Gefühlsfülle im Eröffnungssatz grandios von milde bis mächtig ausbalanciert, fernab von romantischem Kitsch, und dann wieder so gewichtet, als würde Musik ein Lebensmuskel sein.
Ähnliche Freuden lösen auch die drei nachfolgenden Sätze der wenig gespielten Originalfassung von 1854 aus (1889 ging Brahms noch mal kräftig mit dem Besen durch das Werk). Das Trio Wanderer macht schließlich nicht nur hier, sondern auch zusammen mit Bratschist Christophe Gaugué im 3. Klavierquartett op. 60 des Hamburgers seinem Ruf als ein klanglich ausgewogenes und subtil aufeinander reagierendes Ensemble alle Ehre.

Guido Fischer, 07.05.2016



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