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Doldinger

Klaus Doldinger’s Passport

Warner 505419705702
(70 Min.)

„Alte Männer sind gefährlich, denn die Zukunft ist egal“, singt Udo Lindenberg im Abschlussstück der CD. Und in der Tat: Klaus Doldinger, gerade 80 Jahre geworden, kann sein Tenorsaxofon immer noch gefährlich grollen lassen, wie er mit seinem sich immer riskanter windenden Solo im Stück „Abracadabra“ beweist. Ob dem von keinerlei Schwäche bei Intonation oder Kondition befallenen Saxofonisten die Zukunft wirklich egal ist, darf allerdings ernsthaft bezweifelt werden. Der Mann hat noch Luft für mehr.
Sicher ist jedenfalls, dass sich der dank seiner TV- und Kino-Musiken erfolgreichste Jazzmusiker aus deutschen Landen mit „Doldinger“ nun erst einmal einen Rückblick auf seine inzwischen 63 Jahre währende Karriere gönnt. Dafür hat er zwei Versionen seiner Formation Passport ins Studio geholt, einmal in der „Classic“-Variante mit Roberto Di Gioia an den Keyboards, Wolfgang Schmid am plektrumbetriebenen Donnerbass und Curt Cress am Schlagzeug, einmal in der „Today“-Ausgabe mit Doldingers aktuellen Bühnenmitstreitern.
Mit den beiden Bands stattet der Saxofonist alten Stücken aus dem Passport-Repertoire, die ursprünglich auf Platten wie „Hand Made“ (1973), „Cross Collateral“ (1975) oder „Passport To Paradise“ (1996) veröffentlicht worden waren, einen neuerlichen Besuch ab. Die Songauswahl zeigt den Doldinger-Sound in nuce: Das Gespür für ungemein eingängige Melodiewendungen (wie etwa in dem Themen-Ending von „Will-O'The-Wisp“ oder in der mit einem Soundtrack-Zitat aus „Die Unendliche Geschichte“ eingeleiteten Ballade „Auryn“), ein Faible für zarte Weltmusikandeutungen („Jungle Song“, „Green Lagoon“) sowie ein Händchen für großartige Begleitmusiker, die den Jazzrockkompositionen den nötigen Biss verleihen.
Prominente Gaststars runden die klingende 80-Jahr-Geburtstagsfeier ab: Sasha und Max Mutzke singen voller Inbrunst, Posaunist Nils Landgren balgt sich mit dem Jubilar im neworleansigen „Soul Town“, Helge Schneider entlockt ihm deftige Blues-Repliken auf seine ernsthafte Hammondbegleitung in „St. James Infirmary“.
Und dann wäre da noch Udo Lindenberg, der erste Passport-Drummer. Ihm gehören die letzten Worte auf „Doldinger“. „Happy Birthday, Kläuschen, keine Panik“, nuschelt Udo. Dem kann man sich nur anschließen.

Josef Engels, 21.05.2016



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