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Detox

Nuno Costa

O-Tone/Edel 1042558QRM
(49 Min., 11/2014)

Nach Maria João, Mário Laginha und Carlos Bica macht sich der nächste portugiesische Jazzmusiker auf den Weg, Beachtung außerhalb seines Heimatlandes zu finden. Die große Stärke des in Lissabon lebenden Gitarristen Nuno Costa ist sein Kompositionsgeschick, das maßgeblich von seinem Jazzstudium mit Akzent auf „Film Scoring“ am Berklee College geprägt wurde.
Costas Stücke erzählen Geschichten, die auf seinem dritten Album „Detox“ unter anderem das Leben und Sterben einer Wespe, seinen Hund oder die Geburt seiner Tochter behandeln. Auf der Grundlage von Gitarren-Arpeggien und seltsamen, doch stets logischen Akkordfolgen entwickelt der Portugiese geradezu orchestrale Einakter, die den Mitgliedern seines Sextetts (João Moreira an der Trompete, João Guimarães am Altsaxofon, Óscar M. Graça am Klavier, Bernardo Moreira am Kontrabass und André Sousa Machado am Schlagzeug) genaue Dialog- und Handlungsanweisungen geben, aber dennoch genügend Freiheiten für kammerspielartige Improvisations-Einschübe lassen.
Umsichtig hält Costa die Fäden im Hintergrund zusammen und gibt auch bei seinen Soli niemals den herrischen Regisseur, sondern den sanftmütigen Lyriker, der im Gedenken an seinen treuen hündischen Gefährten liebevoll die Gitarre heulen lässt.
Auch wenn man stellenweise eine gewisse Fado-Melancholie herauszuhören meint und hier und da auf Latin-Grooves stößt – man würde nicht unbedingt auf Portugal als Herkunftsort dieser Musik tippen. Costas Kompositionsansatz ist vielmehr Teil einer globalen Redefinition des Jazzgruppenklangs, wie sie in den Gruppen von Brian Blade, Antonio Sanchez oder Nils Wülker betrieben werden. „Detox“ ist zweifellos einer der interessantesten Entschlackungstipps in diesem Frühjahr.

Josef Engels, 28.05.2016



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