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Vincenzo Galilei

Die wohltemperierte Laute

Žak Ozmo

Hyperion/Note 1 CDA68017
(63 Min., 11/2015 - 1/2016)

Galileo Galilei verdankte sein Forscher-Gen dem Vater. Auch wenn Vincenzo Galilei sich weniger für die Himmelsgestirne als vielmehr die Künste interessierte. Doch zu Lebzeiten galt er als einer der bedeutendsten Musiktheoretiker, der zudem Mitglied der legendären Florentiner Camerata und begeisterter Lautenist war. Aus seinem 1584 veröffentlichten „Libro d‘intavolature di liuto” hat nun der in London beheimatete Lautenist Žak Ozmo als Weltersteinspielung und unter dem Titel „Die wohltemperierte Laute“ die ersten vier Bände aufgenommen. Lange vor Johann Sebastian Bach und seinem „Wohltemperierten Klavier“ schritt Galilei anhand von Tänzen wie dem Saltarello und dem Passamezzo die Tonleiter chromatisch ab. Und im Fall der jetzt zu je einem Fünferpack gebündelten 20 Tänze beginnt die gelehrsame Reise beim Ton G und geht über Gis bis A und Ais. Im Booklet vermutet nun Ozmo zwar, dass diese musikalischen Versuchsreihen vielleicht gar nicht für eine Aufführung gedacht waren. Also doch nur eine Art faszinierende „Augenmusik“, als die etwa auch Bachs „Kunst der Fuge“ von vielen gesehen wird? Die Antwort fällt zwiespältig aus. Der Grundton dieser Musik aus der Hochrenaissance ist natürlich äußerst verlockend geist- und geschmackvoll. Zumal das Rhetorische sich immer wieder in delikat gesetzten Verzierungen auffächern darf. Andererseits fehlt diesem Kompendium trotz des wirklich „lebendigen“, tonschönen Spiels von Žak Ozmo dann doch dieser gewisse Facettenreichtum, um sich vollends mit Gewinn durch diese Klangwelten zu bewegen.

Guido Fischer, 04.06.2016



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