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Johann Pachelbel

Un orage d‘avril (Suiten, Canon, Lieder)

Hans-Jörg Mammel, Gli Incogniti, Amandine Beyer

harmonia mundi HMC 902238
(79 Min., 7/2015)

Man hat ihn nicht so auf dem Schirm, den nürnbergischen Organisten und Komponisten Johann Pachelbel (1653-1706) – unglücklicherweise vielleicht gar deshalb, weil bei jeder Nennung seines Namens das Wort „Kanon“ mit ins Bewusstsein springt. Darum sei es gleich vorweggenommen: Auch dieser herzallerliebste aller unverwüstlichen Klassik-Hits ist auf der vorliegenden CD enthalten, samt zugehöriger Gigue. Freilich hören wir hier eine leichtfüßige, einfach besetzte, zarte, duftig durchartikulierte Version, die viel Freude macht.
Und so ist die ganze CD. Pachelbels Partiten (oder „Partien“, wie sie im Original heißen), kleine suitenartige Sammlungen von Tanzsätzen, dürfte wohl bisher kaum jemand im Plattenschrank haben – andere Aufnahmen davon gibt es jedenfalls derzeit auf dem CD-Markt praktisch gar nicht. Auch diese freundlichen, ja unwiderstehlich heiteren und positiven Stücklein leben in der Version von „Gli Incogniti“ von der hochkompetenten Wiedergabe: Nicht allein die perfekte Homogenität des Ensembles und das vollkommene Gespür der Musikerinnen und Musiker für die Spannungsbögen der reizenden Melodielinien führen zum nachhaltigen Vermittlungs-Erfolg. Auch wartet man immer wieder mit kleinen Überraschungen auf: Mal wird im Continuo pizzicato gespielt, mal übernimmt das Cembalo streckenweise auch den Diskant im Austausch mit den Streichinstrumenten. Barocke Unterhaltungsmusik kann nicht schöner sein.
Das Programm wird ergänzt durch einige weltliche Strophenlieder, die Pachelbel vermutlich für unterschiedlichste Anlässe aufs Papier geworfen hat. Stets laufen die einzelnen Strophen auf ein instrumentales Ritornell zu, stets zeugen diese netten Lieder gewissermaßen vom „Alltagskönnen“ Pachelbels in puncto aussagekräftiger Umsetzung an sich harmloser Texte. Diese wohlgeformten kleinen musikalischen Edelsteine finden in Hans-Jörg Mammel einen Interpreten, dessen Stimme hier nicht ganz ohne Ermüdungserscheinungen funktioniert: Kleine Intonationstrübungen, teils sehr eng gefasste Vokale – völlig ungetrübtes Wohlbefinden stellt sich beim Hören des Gesangs nicht ein.

Michael Wersin, 11.06.2016



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