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Julius Röntgen

Streichtrios Nr. 9 - 12 (Vol. 3)

Lendvai String Trio

Champs Hill/Note 1 CHRCD 101
(61 Min., 3/2014)

Wenn ein deutsch-niederländischer Komponist in den 20er Jahren hemmungslos Dur-Moll-tonale Streichtrios schreibt, dann reißt das den Musikhistoriker vielleicht nicht vom Hocker. Aber freilich sind Parameter wie Satztechnik, motivisch-thematische Arbeit oder Melodik nicht passé gewesen, nur weil gleichzeitig in Wien eine kleine Gruppe von Neutönern meinte, das Ende der Tonalität einläuten zu müssen. Und so können wir heute Julius Röntgens reizende Streichtrios genießen, weil sie eben melodisch, satztechnisch und hinsichtlich ihrer motivisch-thematischen Arbeit sehr gelungene Werke sind, die es aufgrund ihrer strukturellen Klarheit dem Hörer oft erlauben, das Entstehen der Musik im Akt des Anhörens mitzuverfolgen: Im Trio Nr. 9 etwa baut Röntgen den Kopfsatz aus einem kinderliedhaften, pentatonischen Dreitonmotiv, das er endlos variiert und harmonisch ausleuchtet. Im zweiten Satz zeigt er dann, was eine leicht zigeunermusikalisch gefärbte Mollkantilene ist; das Finale kommt schließlich als feurig-virtuose Herausforderung für die drei Streicher daher.
Solchen Herausforderungen sind die drei Damen des niederländisch-schwedisch-britischen Lendvai String Trio hervorragend gewachsen; mit glühend-kraftvollem Ton verleihen sie Röntgens Musik eine Leidenschaftlichkeit, die ihresgleichen sucht. So vorteilhaft präsentiert müsste Röntgens Kammermusik eigentlich eine furiose Renaissance erleben – es wäre ihr sehr zu wünschen.

Michael Wersin, 18.06.2016



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