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Robert de Visée, Francesco Corbetta

La Mascarade (Werke für Theorbe und Barockgitarre)

Rolf Lislevand

ECM/Universal 002894811716
(48 Min., 4/2012)

„Die Laute ist in Frankreich als das edelste aller Instrumente geschätzt, und zwar auf Grund der Zartheit ihres Gesangs, der Anzahl und Harmonie ihrer Saiten, ihres Umfangs, ihrer Stimmung und der Schwierigkeit, sie vollkommen zu schlagen.“ 1636 brachte ein gewisser Père Marin Marsenne diese Zeilen zu Papier, um nicht nur vom Wesen der Laute zu berichten, sondern auch von ihrem Ansehen. Und so konnte er bilanzieren, dass die Laute „eine solche Autorität über die anderen Saiteninstrumente gewonnen [hatte], dass diese kaum mehr etwas gelten.“ Zu den absoluten Autoritäten auf der Laute wie auch auf der Barockgitarre, die es zugleich in den engeren Musikantenzirkel des Sonnenkönigs schafften, gehörten Robert de Visée und Francesco Corbetta. Der gebürtige Franzose Visée verstand es perfekt, den beliebten Tanzsätzen auch jene Würde und Haltung zu verleihen, die er so an den Opern Lullys bewundert hatte. Der Italiener Corbetta, der über einen Abstecher nach London seinen Weg nach Versailles machte, sorgte eher mit rasanten Rasgueado-Rotationen und urwüchsig anmutenden Klangaromen für Aufsehen. Ob Visée und Corbetta sich zum Vergnügen des Versailler Hofes vielleicht mal auf ihren Instrumenten duelliert haben, ist leider nicht dokumentiert. Es wäre sicherlich ein Fest gewesen – und unentschieden ausgegangen. Denn wie jetzt der norwegische Kenner der Alte Musik-Materie Rolf Lislevand zeigt, hat jeder der beiden Virtuosen bzw. Komponisten seine ganz besonderen Vorzüge. Auf der dunkel eingetönten, durchaus auch mal mächtig wirkenden Theorbe verleiht Lislevand den neun ausgewählten Piècen von Visée einen nicht nur melancholisch ernsten Ton. Hier und da verwandeln sich die Chaconnes, Préludes und Passacailles in unaufgeregte, feingeistige Klanggedankenwanderungen, wie sie Visées Idol, der Lautengott Jacques Gallot, gepflegt hatte. Ganz anders kommt da etwa die berühmte „Folia“ oder ein „Caprice de Chaconne“ von Corbetta um die Ecke – auf der Barockgitarre von Lislevand einfach traumwandlerisch mit ansteckendem Elan gespielt.

Guido Fischer, 02.07.2016



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