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Enjott Schneider

Bach, Dracula, Vivaldi & Co. (Concerti)

Kevin John Edusei, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Albrecht Mayer, Dorothee Oberlinger, Joachim Schäfer, Olga Watts u.a.

Wergo/New Arts International 05711442
(70 Min., 9/2015)

Wenn ein Komponist seinen Werken eine „doppelbödige Intelligenz“ attestiert, spricht daraus durchaus eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und Mut. Schließlich kann man wie im Fall der jetzt eingespielten Konzerte von Enjott Schneider seine im Booklet aufgestellte These gleich auf seine Richtigkeit überprüfen. Über Intelligenz mag man ja noch streiten. Aber doppelbödig sind diese neo-barocken Imitationen nun so gar nicht. Schneider kennt natürlich die tonsprachlichen Charakterzüge der hier gehuldigten Komponisten Bach und Vivaldi aus dem Effeff, um mit ihnen zu spielen. Und wer wie Schneider ansonsten im Filmmusikgeschäft zuhause und erfolgreich ist, der beherrscht natürlich alle Tricks, um die Stücke mit so manchen gefälligen Modernismen à la Minimal Music aufzuhübschen. Und dennoch: Die „BACH-Metamorphosen“ für Oboe, Streicher und Cembalo, „Omaggio a Vivaldi“ für Blockflöte, Streicher und Cembalo sowie „Vivaldissimo“ für zwei Trompeten, Streicher und Cembalo können auch trotz des prominenten Musikerstabs (u.a. Oboist Albrecht Mayer und Blockflötistin Dorothee Oberlinger) einfach die andauernd mitlaufende Frage nicht beantworten, warum jemand solch eine aus Versatzstücken bestehende, unter dem Strich vollkommen belanglose Musik im 21. Jahrhundert komponiert? Und selbst dem als „Concerto grosso“ bezeichneten Werk „Draculissimo“ für Trompete, Posause und Ensemble fehlt völlig der Biss – und erst recht das Doppelbödige.

Guido Fischer, 09.07.2016



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