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Gabriel Fauré

The Complete Songs Of Gabriel Fauré Vol. 1

Lorna Anderson, Nigel Cliffe, Ann Murray, John Chest, Iestyn Davies, Ben Johnson, Janis Kelly, Joan Rodgers, Malcolm Martineau

Signum classics/Note 1 SIGCD427
(76 Min., 2012 - 2015)

Nach abgeschlossener Poulenc-Liededition startet Malcolm Martineau bei Signum offenbar sogleich seine nächste Lied-Gesamtaufnahme: Diesmal ist das wunderbare Fin-de-siècle-Repertoire aus der Feder Gabriel Faurés Gegenstand eines Teamwork des erfahrenen Liedbegleiters und einer Reihe von Sängern der eher jüngeren Generation – mit einer Ausnahme: Folge 1 bringt sofort zu Beginn und dann auch gelegentlich im weiteren Verlauf des Programms verschiedene Wiederbegegnungen mit der 1949 geborenen irischen Mezzosopranistin Ann Murray. Sie verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz als Liedinterpretin und – immerhin bereits gut in den Sechzigern! – bei leicht angesäuertem Timbre über eine nach wie vor bemerkenswert flexible Stimme (zu bewundern vor allem in der „Vocalise Nr. 29“).
Erfreulich die Begegnung mit dem Tenor John Chest: Der Zyklus „Poème d’un jour“, den wir in vorbildlicher Belegaufnahme von Gérard Souzay im Schrank haben, gelingt ihm freilich nicht so idiomatisch wie einstmals dem Franzosen, aber insgesamt doch sehr mitreißend.
Bemerkenswert ist die Einbindung des Counter-Tenors Iestyn Davies in dieses Projekt: Wenn auch u.a. Philippe Jarrousky schon französische Mélodies interpretiert hat, ist dieses Stimmfach im Liedgesang doch immer noch eine Ausnahmeerscheinung. Ob der Einsatz nun historisch korrekt ist oder nicht: Auf dieser CD ist er doch eine willkommene Ergänzung.
Die genannten und einige weitere Kräfte gestalten den ersten Teil von Martineaus Fauré-Edition zu einem durchaus ansprechenden, wenngleich nur selten wirklich überragenden Hörerlebnis. Zu den Spitzen gehört ohne Zweifel Lorna Andersons Darbietung der kurzen „Vocalise Nr. 20“. Eigenartig ist – und das verwunderte schon bei vergangenen Liededitionen sowohl von Martineau als auch von Graham Johnson –, dass die Briten offenbar stets den Ehrgeiz haben, auch bei ausländischem Repertoire vorwiegend mit britischen Sängern zu arbeiten: Selbst die begabtesten unter den Sänger-Linguisten haben doch kaum jemals ein fremdes Idiom und auch die damit verbundenen speziellen Farben des Timbres so vollkommen adaptieren können wie ein „native speaker“.

Michael Wersin, 09.07.2016



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