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Culcha Vulcha

Snarky Puppy

GroundUp/Universal 4785122
(57 Min.)

Bei seinem inzwischen elften Album machte das Fusionjazz-Ensemble Snarky Puppy alles ein bisschen anders: War es bislang die Spezialität der 17-köpfigen Band um den Bassisten Michael League gewesen, sich für ihre Aufnahmen live und ohne Auffangnetz vor Publikum zu präsentieren und sich dabei für die stetig wachsende Youtube-Fangemeinde filmen zu lassen, so ging es diesmal ganz klassisch in ein Studio nahe der mexikanischen Grenze.
Der Vorteil: Die unorthodox mit drei Keyboardern, Gitarristen und Perkussionisten besetzte Big Band hatte endlich mal die Möglichkeit, mehrere Takes einzuspielen, Overdubs oder nachträgliche Klangmanipulationen vorzunehmen. Auch deshalb klingt „Culcha Vulcha“ vielschichtiger und vielfältiger als alles, was Snarky Puppy bislang unternommen hat: Sei es der verkifft-rauchige 60ies-Sound und der an die Beach Boys erinnernde Kollektivgesang, der „Gemini“ bestimmt, sei es das weltmusikalische Mäandern zwischen Reggae, Afrofunk und Bottleneck-Gitarren-Countrymusik, das in „The Simple Life“ zu hören ist.
Die Stücke von Snarky Puppy borgen sich einen Trick aus dem Formatradio: Sie kombinieren das Beste aus den 70ern, 80ern, 90ern und aus der Gegenwart – allerdings im Fusion-Idiom. Will heißen: Latin-Beats und Brazilectro-Anleihen, Acid Jazz und Dancehall-Grooves, HipHop-Funk à la Brecker Brothers aus der „Out Of The Loop“-Zeit sowie durch Wahwah-Effekte oder Verzerrer geschickte Soli von Trompete oder Geige vermischen sich zu Gebilden, die sich wie ein Remix der Jazzrock-Geschichte ausnehmen.
Allerdings fehlen weitestgehend die mitreißend-melodischen Elemente, die Snarky Puppy bislang ausmachten. Möglicherweise liegt es an der unterkühlten Studio-Atmosphäre: Das ist alles perfekt und solistisch erste Sahne, aber die Frische und der letzte Biss fehlen.

Josef Engels, 16.07.2016



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