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amiira

Klaus Gesing, Björn Meyer, Samuel Rohrer

Arjunamusic/Rough Trade AMAC-CD711
(46 Min., 12/2015)

Den Bassklarinettisten Klaus Gesing, den E-Bassisten Björn Meyer und den Schlagzeuger Samuel Rohrer eint eines: Alle drei haben immer wieder mit ungewöhnlichen Sängerinnen zusammengearbeitet. Gesing mit Norma Winstone, Meyer mit Asita Hamidi, Rohrer mit Laurie Anderson, Sidsel Endresen und Susanne Abbuehl.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass manche ihrer nonverbalen Unterhaltungen auf „amiira“ so klingen, als stammten sie von einer außergewöhnlichen Vokalistin. „Shine On Me“ etwa, in dem mit viel Delay versehene Tablas und ein angedeuteter Reggae-Bass den Ton angeben, erinnert in den vorsichtig tastenden Tonfolgen der Bassklarinette an Björks „Hyperballad“. Bei „Fulminate“ wiederum, das stellenweise an Massive Attack gemahnt, wartet man darauf, dass Shara Nelson von ihrer „Unfinished Sympathy“ zu singen beginnt.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Von irgendwelchen Song-Strukturen sind Gesing, Meyer und Rohrer denkbar weit entfernt. Ihre Musik ist vielmehr ein sensibles Interagieren zwischen den Instrumenten und verschiedenen Klangeffekten.
Gesing lauscht stellenweise seinem Echo auf der Bassklarinette nach und wagt mit dem gespenstischen akustischen Wiedergänger einen sachten Tanz. Meyer setzt seinen Bass mal als sonore Grundierung, mal als Akkordinstrument ein, auf dem die Finger niederprasseln wie der Sturmregen auf ein Häuserdach. Rohrer schließlich zimmert irisierende elektroakustische Grooves. Oder trippelt mit den Fingern über die Felle wie ein auf dem Dachboden gefangener Vogel.
Nichts – mit Ausnahme der Minimal-Music-Bearbeitung eines Stücks des armenischen Komponisten Khachatur Avetisyan – ist vorher festgelegt, vieles frei, assoziativ und atmosphärisch nebulös. Dass die Stücke von Gesing, Meyer, Rohrer dennoch klingen wie stringente Einheiten, ist ein Beleg für den großen inneren Zusammenhalt dieses unorthodoxen Trios.

Josef Engels, 23.07.2016



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