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Johann Friedrich Meister

Il giardino del piacere

Ensemble Diderot, Johannes Pramsohler

Audax/harmonia mundi ADX 13705
(66 Min., 6/2015)

Im Frühjahr 2011 präsentierte Reinhard Goebel die letzte Einspielung seines schon Jahre zuvor stillgelegten Ensembles Musica Antiqua Köln: In Quartettbesetzung hatte er, selbst die erste Geige spielend, bereits im Jahre 2004 im Kölner Funkhaus des WDR sechs Stücke des insgesamt zwölfteiligen Triosonatenzyklus‘ „Il giardino del piacere“ (1695) von Johann Friedrich Meister aufgenommen.
Eine mustergültige Darbietung der anderen sechs Sonaten stand seither noch aus. Nun hat der Südtiroler Geiger Johannes Pramsohler sie mit seinem „Ensemble Diderot“ vorgelegt. Pramsohler, der Goebel zu seinen Lehrern zählt, spielt seit 2008 Goebels Rogeri-Geige von 1713 – und Goebel hat auch den Beihefttext zu dieser CD geliefert. So scheinen einige direkte Verbindungslinien die beiden über ein Jahrzehnt auseinanderliegenden Aufnahmen zu verbinden. Aber glücklicherweise hat Pramsohler das künstlerische Format, dem im Beiheft als „Fortsetzung“ bezeichneten Projekt, seinen ganz eigenen interpretatorischen Stempel aufgedrückt: Entspannter und leuchtender ist das Streichertimbre beim „Ensemble Diderot“; Goebel erzeugte 2004 deutlich mehr Legato-Druck, brachte auch leichtes Vibrato zum Einsatz. Bei Pramsohler entfalten sich die Kantilenen klanglich dagegen weniger im Vorandrängen als durch lockereres Aufblühen-Lassen der Töne. Dem lieblicheren Klang der Violinen entspricht ein ähnlich disponiertes Cembalo (Nachbau eines thüringischen Instruments von 1715). Es ist, als präsentierten Goebels und Pramsohlers Einspielungen die herrlichen Sonaten Meisters aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, als machten sie je andere Vorzüge dieser Musik erlebbar. Und das ist sehr gut so: Ein „Musica-Antiqua“-Remake wäre ein Debakel gewesen.

Michael Wersin, 30.07.2016



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