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Nikolaus Bruhns

Complete Cantatas

Harmonices Mundi, Claudio Astronio

Brilliant/Edel 1095138BRC
(138 Min., 5/2015) 2 CDs

Er war ein Meisterschüler von Dietrich Buxtehude und starb dennoch ein Jahrzehnt vor diesem: Nur acht Jahre lang konnte Nikolaus Bruhns sein Können an seiner „Lebensstellung“ an der Husumer Stadtkirche entfalten, bevor ihn die Schwindsucht dahinraffte. Umso wertvoller sind uns die wenigen Vokal- und Instrumentalwerke, die er hinterlassen hat. Seine überlieferten Kirchenkantaten füllen zwei CDs und werden hier (nicht zum ersten Mal, wie teilweise in der Werbung behauptet: Das Ricercar-Consort legte schon 1990 eine Gesamtaufnahme vor) zur Gänze aus einer Hand präsentiert: Claudio Astronio und seine „Harmonices Mundi“ haben sich mit einer Gruppe von sechs Sängerinnen und Sängern im Bozener Kloster Muri Gries dem überschaubaren, aber dennoch durchaus vielfältigen Werkbestand gewidmet.
Psalmtexte und einige andere Bibelstellen, dazu ein wenig geistliche Versdichtung hat Buxtehude im frühbarocken Kantatenstil vertont: keine Chorsätze, Arien und Rezitative, sondern abwechslungsreiche rezitativische und ariose Verläufe, teils unter Beteiligung obligater Instrumente, in direkter Folge. Hierbei gelingt es Bruhns als Meister des barocken Idioms stets, den vom Text jeweils geforderten Affekt zielsicher zu fokussieren, dann aber auch rasch zu modifizieren, wenn der Text eine neue Ausdrucksnuance bringt. Tempowechsel, Besetzungsänderungen, Anpassung der melodischen Figurierung halten den aufmerksamen Hörer immer „auf dem Laufenden“ über das, was auf der Textebene gerade vorgeht.
Solche Musik erfordert höchst flexible Musiker, die sich auf das kleingliedrige und differenzierte musikalisch-rhetorische Spiel einzulassen vermögen. In der vorliegenden Aufnahme ist dies vor allem bei den Instrumentalisten gewährleistet, die sowohl eine warm timbriert Klanglichkeit zu erzeugen vermögen als auch gemeinsam mit den Sängern die rhetorischen Belange der Melodik kompetent im Blick haben. Bei den Sängern dagegen ist das Bild ein wenig durchwachsener: Eigenheiten im Timbre oder kleine technische Einschränkungen verhindern gelegentlich eine ganz optimale Balance von Text und Musik; es gibt aber, je nach Besetzung der Stücke, auch auf vokaler Ebene sehr schöne Momente.

Michael Wersin, 06.08.2016



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