Responsive image

MusicBoxMusic

Trio ELF

Enja Yellowbird/Soulfood YEB 7765
(50 Min., 8/2015)

Nach über zehn Jahren des intensiven und erfolgreichen Zusammenarbeitens war die Zeit reif für einen Wechsel in einem der interessantesten Piano-Trios, das Deutschland zu bieten hat: Bassist Sven Faller, das F in „ELF“ verließ die Band für eigene Projekte; Tieftöner Peter Cudek übernahm nach einer gemeinsamen Tournee mit Pianist Walter Lang und Drummer Gerwin Eisenhauer im Frühjahr 2015 den vakanten Posten.
Auch wenn das Trio jetzt eigentlich „ELC“ heißen müsste – einen markanten Bruch stellt die Umbesetzung nicht dar. Geblieben sind die faszinierend flirrenden, aus dem Drum&Bass der 90er geborgten und zeitlos veredelten Schlagzeug-Grooves Eisenhauers, geblieben ist das feinsinnige Piano-Spiel Langs mit seinem Sinn fürs Klassische und klangliche Verfremdungen.
Neu ist, dass die Kompositionen nun gleichberechtigt von allen Bandmitgliedern kommen – und dass man sich eine größere Reduktion auferlegt hat, wie das mit vielen Atempausen und minimalistischen Akkordphrasen arbeitende CD-Eröffnungsstück „Emptiness“ zeigt.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal von „MusicBoxMusic“ ist das Mechanistische, mit dem Eisenhauer, Faller und Cudek die titelgebende Spieluhr in ihren Stücken nachempfinden. Es wirkt oftmals wirklich so, als werde das Trio von einer Kurbel angetrieben, die mal stockt und stolpert (etwa in „Krumm“), mal wie von einem hyperaktiven Kind gedreht wird. Man höre beispielsweise die Nummer „Usain“, die wie der Olympiaheld Bolt in einem Wahnsinnstempo auf und davon prescht.
„MusicBox“ kann man aber auch durchaus mit „Überraschungspaket“ übersetzen. Denn das Trio ELF hat höchst unterschiedliche Lochplatten parat. Mal geht es in Richtung Bach („Salutation To The Sun“), mal in Richtung Doom-Metal-trifft-House („Stadium“), mal in Richtung Orient („Tripolis“, „Suq“). Das erneuerte Trio hat für dieselbe alte Leier glücklicherweise nichts übrig.

Josef Engels, 10.09.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top