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Into The Mystic

David Helbock Trio

ACT/Edel 1098332ACT
(57 Min., 1/2016)

Mit „Into The Mystic“ verfolgt das Trio um den österreichischen Pianisten David Helbock den Weg weiter, den es schon in der Vorgänger-Aufnahme „Aural Colors“ eingeschlagen hat. Anders als viele Jazz-Piano-Trios wählen Helbock, Raphael Preuschl an der Bass-Ukulele (sic!) und Schlagzeuger Reinhold Schmölzer nicht die Bekanntheit von Pop-Songs als Ausgangsgrundlage für ihre Exkursionen ins Mystische, sondern nutzen die klassische Musik als Steinbruch für ihre eigentümlichen Bauten, die gleichermaßen fragil wie wuchtig sein können.
Waren es auf „Aural Colors“ drei Klavierstücke Schönbergs, die das Skelettgerüst des Albums bildeten, sind es hier Beethoven – und das „Star Wars“-Thema. Alleine am Klavier interpretiert Helbock zunächst den zweiten, gravitätisch dahinschreitenden Satz von Beethovens 7. Sinfonie mit abgedämpften Klaviersaiten, so dass das Stück beinahe wie eine elektronische Chill-Out-Nummer wirkt. Seine drei, über die CD verteilten Solo-Bearbeitungen der „Star Wars“-Filmmusik von John Williams erklingen in einem ähnlichen Gestus – klassisch, gerundet, beethovenesk.
Von diesen Ruhepunkten aus wagen sich Helbock, Preuschel und Schmölzer immer wieder in andere Dimensionen vor. Da geht es nach New Orleans („Mother Earth“), in die Welten von Helbocks Yedi-Lehrmeistern Hermeto Pascoal und Thelonious Monk („Masks“), aber auch in dunkle Zwischenreiche, in dem ein nervöser Walking-Ukulelen-Bass zwischen Free und Swing vermittelt („Louverture“) oder aus den Klaviersaiten herausgekitzelte Obertöne wie ein akustischer Regenbogen im Firmament eines bizarren Planeten stehen („Into The Mystic“).
Mit seiner Unorthodoxie, die immer wieder durch lichte melodische Solosequenzen vom Klavier ins Freundliche gekehrt wird, stellt das Trio zweifellos eine große Bereicherung in der expandierenden Galaxie der Jazz-Piano-Trios dar.

Josef Engels, 08.10.2016



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