Freilich müssen die Namen Hana Blažiková und Bruce Dickey auf dem Cover der CD hervorgehoben werden – aber die hier musizierende Gruppe ist ohne Zweifel ein All-Star-Ensemble: Die Continuogruppe, besetzt mit Gambe, Cembalo oder Orgel und Theorbe, schafft eine bombensichere und improvisatorisch kreativ gestaltete Basis für die Kapriolen und Girlanden, mit denen sich die Sopranistin und der Zinkenist gegenseitig übertreffen. Und die beiden Violinen demonstrieren sowohl in reinen Instrumentalstücken als auch im Zusammenspiel mit der Sängerin, wie eng die instrumentale Ebene am Beginn der Barockzeit noch mit ihren Ursprüngen in der Vokalmusik verbunden ist: Die Sonaten von Marini und Bassani sprechen von der ersten bis zur letzten Note, ohne dass ein einziges Wort erklingt.
In diesem Sinne geht es auch bei der Virtuosität von Zink und Sopranstimme niemals um eitles Schwelgen im eigenen technischen Können, sondern immer um die möglichst effektvolle Umsetzung der Affekte des Textes. Bruce Dickey demonstriert dies besonders eindrücklich in seiner eigenen feinsinnigen Diminution einer Stimme aus Palestrinas Motette „Dilectus meus mihi“. Wie schön, dass diese Kunst heutzutage wieder von einigen Spezialisten beherrscht wird – Bassani hätte keine bessere Diminution erdenken können.
Wie eng der Klang des Zink mit dem der menschlichen Stimme verwandt ist – dies wird auf Basis von Quellen des Frühbarock immer wieder behauptet –, erkennt man skurrilerweise erst beim Hören des einzigen modernen Stückes dieser CD vollumfänglich: Calliope Tsoupaki ist es gelungen, in ihrer Hohelied-Vertonung „Nigra sum“ von 2015 die beiden Klangquellen so einander gegenüberzustellen und auch zu überlagern, dass sich teilweise ein noch intimerer Dialog ergibt als in manchen der barocken Stücken.

Michael Wersin, 15.10.2016



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