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Alessandro Scarlatti

Missa defunctorum, Magnificat, Miserere, Salve Regina

Odhecaton, Paolo da Col

Arcana/Note 1 A 398
(76 Min., 12/2015)

Die geistliche Musik von Alessandro Scarlatti ist bisher nur auf sehr schmaler Basis ins Bewusstsein eines breiteren Publikums geraten – namentlich sein „Stabat Mater“, die Vorgängerkomposition der berühmten Pergolesi-Vertonung, ist auf CD in einigen guten Einspielungen greifbar.
Gut also, dass das Ensemble Odhecaton sich wenig bekannten Werken aus Scarlattis geistlichem Repertoire widmet. Weniger gut, dass dies nicht auf dem Niveau geschieht, das man von dem Ensemble erwarten kann. Schon im „Introitus“ des Requiems stören Unsauberkeiten vor allem in der mit Countertenören besetzten Oberstimme des nur Continuo-begleiteten Vokalsatzes. Hinzu kommt, dass die dichte vokale Polyphonie, die sich hier ohne Verstärkung durch Colla-parte-Instrumente über dem Generalbass entfaltet, über weite Strecken recht verschwommen daherkommt: Nicht auszumachen ist, ob es sich um ein Problem der Raumakustik oder um Ungenauigkeiten des Zusammensingens handelt – auf jeden Fall erschwert das Durcheinander das Mitverfolgen der meisterhaften Satzstruktur.
Diese Unebenheiten, die mal mehr, mal weniger das gesamte Programm durchziehen, sollten einem die herrliche Musik indes nicht vergraulen: Das „Salve Regina“ etwa mit dem prägnanten gregorianischen Initium als Zitat in der Oberstimme ist eine großartige Vertonung dieses Textes, die es durch detaillierte musikalische Versinnbildlichung eben dieses Textes zu bemerkenswerter Eindringlichkeit bringt. Es gilt also, über dies und jenes hinwegzuhören und sich einen Eindruck von der Musik als solcher zu verschaffen – ein eher unbequemer Rezeptionsvorgang, dem sich vermutlich nicht jeder unterziehen wollen wird.

Michael Wersin, 15.10.2016



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