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Johannes Brahms

Die Violinsonaten

Christian Tetzlaff, Lars Vogt

Ondine/Naxos ODE12842
(73 Min., 8/2015)

Schon in den allerersten Takten, mit denen in himmlischer Ruhe der Vorhang zur 1. Violinsonate von Johannes Brahms geöffnet wird, tut sich so etwas wie ein Wunder auf. Denn Christian Tetzlaff und Lars Vogt gelingt es geradezu blind, diese radikal entschlackte Musik selbst im feinsten Pianissimo auf ihren wertvollen Kern und Zauber, aber auch auf ihre ganze Dringlichkeit und Dramatik hin zu befragen. All das schaffen Tetzlaff und Vogt mit einer Klarheit und Anteilnahme, Eindringlichkeit und auch verlockenden Tonschönheit, wie man es gerade bei diesem schnell ins Melancholisch-Pathetische umkippenden Repertoire in letzter Zeit nicht mehr erleben durfte. Andererseits haben Tetzlaff und Vogt ihren Ruf als Musikbrüder im Geiste schon oft beeindruckend unter Beweis gestellt, so bei den Violinsonaten von Mozart und Schumann. Und nachdem man sich mit Cellistin Tanja Tetzlaff ebenfalls äußerst gelungen den Klaviertrios von Brahms gewidmet hatte, mussten es nun die drei Violinsonaten sowie das „Scherzo“ aus der „F.A.E.“-Sonate sein. Tetzlaffs Geigenklang besitzt dafür alles, was Herz und Verstand begehren. Ungemein schlank und trotzdem körperreich, kantable Herrlichkeit und ein abgründig lyrischer, sich geradezu ins Mikronuancierte auffächernder Ton sind da nur einige von zahllosen Gestaltungstrumpfkarten. Lars Vogt folgt Tetzlaff darin aber eben nicht gehorsam, sondern tauscht sich mit ihm von gelöst bis nervig-gespannt, von sinnlich kostbar bis temperamentvoll aus, ohne jemals nur für eine Sekunde diese ideale Kammermusik-Partnerschaft etwa mit virtuos-konzertanter Geste aufzukündigen. Das nächste Aufnahmeprojekt, so wünscht man sich, sollte sich bei diesen beiden Musikern um Schubert drehen.

Guido Fischer, 29.10.2016



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