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Breath Of Time

Eric Plandé, Barre Phillips

Jazzwerkstatt/Jazzwerkstatt gUG JW175
(53 Min., 1 & 5/2015)

Der Amerikaner Barre Phillips ist so etwas wie der Doyen des freien Kontrabassspiels in Europa, seiner Wahlheimat seit 1967. Auch mit 82 ist er noch ein Virtuose seines Instruments, das er auch meisterlich zu streichen weiß und dem er immer wieder berückende, intonationsreine Doppelgriffklänge entlockt. Bei aller Freiheit ist er ein großer Melodiker geblieben, einer, dessen Linien sich immer wieder zu spannenden Motivketten fügen, die stets großartig mit den Hervorbringungen seiner Mitspieler interagieren. Der Tenor- und Sopransaxofonist Eric Plandé ist ein idealtypischer Duopartner für Philipps. Er stammt aus Marseille, also der Gegend, wo der ursprüngliche Romanist Philipps Wohnung genommen hat, und ist dreißig Jahre jünger als dieser. Die sonst so prägende Coltrane-Ära liegt also weit hinter ihm, so dass er ein ganz eigenes Klangideal verwirklichen konnte, das Lyrik und einen kraftvoll spielfreudigen Ansatz miteinander verbindet und um die hohe Kunst des Warten-Könnens und kreativ nachvollziehenden Zuhörens weiß. Dreizehn hinreißende Miniaturen haben Phillips und Plandé unter einem bedeutungsschillernden Titel eingespielt. Es ist faszinierend, wie beide ihr eigenes Ding verfolgen und wie sich auf wunderbare Weise die beiden Individualansätze zu stimmigen, sich gegenseitig in Bewegung haltenden Verschränkungen verdichten. Nichts ist dabei forciert, alles fließt natürlich; ohne metronomische Ausgestaltung atmet die Zeit nach der Taktung eines gemeinsamen inneren Pulses. Kein Wunder also, wenn Liner-Notes-Autor Hans-Jürgen Linke zu intelligent tiefsinnigen Betrachtungen über Zeit und freie Improvisation angeregt wird. Vollendeter kann sich Duospiel kaum ereignen.

Thomas Fitterling, 05.11.2016



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