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Johann Sebastian Bach

Weihnachtsoratorium

Dunedin Consort, John Butt

Linn/Naxos CKD 499
(141 Min., 9/2015) 2 CDs

So sehr wir uns an John Butts früheren Bach-Einspielungen erfreuen konnten, so verhalten fällt unser Lob nun leider beim „Weihnachtsoratorium“ aus: Zwar bewegt sich Butt mit seiner Idee, für die kräftezehrende Leipziger Weihnachtszeit spekulativ zwei im Wechsel eingesetzte Gesangsquartette zu postulieren, ein kleines Stück weg vom vorwiegend angelsächsischen Ein-Sänger-pro-Part Dogma: Er mutmaßt nämlich, Bach könnte das andere Quartett in den mit Trompeten besetzten Kantaten 1, 3, und 6 eventuell als Ripienisten eingesetzt haben. Allerdings demonstriert er gerade in diesen Sätzen – etwa den Eingangschören der ersten und der sechsten Kantate –, dass selbst erfahrene Profis eine Stimme zu zweit nicht homogen zu singen vermögen: Intonation und unterschiedliche Vibrato-Amplituden gehen hier immer wieder deutlich auseinander.
Überhaupt sind seine acht Sänger nicht durchgehend von hoher Qualität: Beide Tenöre (Nicholas Mulroy und Thomas Hobbs) haben typisch britisch ausgebildete obertonreiche, wattige, in der Höhe sehr kopfige und in der Tiefe wenig präsente Stimmen, die gerade für Bachsche Rezitative wenig geeignet sind, aber auch bei den Arien in Randlagen wenig Freude machen. Beide Bassisten (der früher oft famose Matthew Brooke und Konstantin Wolff) warten – in denkbar größtem Gegensatz zu den Tenören – mit rauen, besonders in der Höhe oft angestrengt klingenden Stimmen auf, was nicht nur in den Arien, sondern auch in manchen Ensemblesätzen stört.
So können wir Butts Weihnachtsoratorium trotz mancher schöner Momente beglückend ausgelassenen Musizierens, die es freilich auch gibt, nicht wirklich aus vollem Herzen empfehlen – schade.

Michael Wersin, 12.11.2016



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