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Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Nikolai Medtner

Toccata, Klaviersonaten

Lucas Debargue

Sony 88985341762
(71 Min., 2/2016)

Bei Lucas Debargue darf man durchaus ins Staunen geraten. Die Tonrepetitionskaskaden, mit denen Domenico Scarlatti seine Sonaten zuhauf gespickt hat, kommen bei ihm irrwitzig punktgenau und doch mit ansteckendem Feuer daher. In Ravels spieltechnisch nicht weniger diabolischem Klavierzyklus „Gaspard de la nuit“ funkelt es selbst im zartesten Pianissimo in tausend Farben. Und in Liszts 1. Mephisto-Walzer bringt er seine ultralangen Teufelsfinger auf Hochtouren. All das bot der Franzose erst kürzlich auf seinem Debüt-Album, für das er sich 2015 mit seiner schlagzeilenträchtigen Teilnahme am Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb empfohlen hatte (dass er es dabei lediglich auf den 4. Platz schaffte, wurde der Jury sogar von der Vereinigung russischer Musikkritiker übel genommen). Jetzt liegt bereits das zweite Album des immerhin „schon“ 26-jährigen Spätstarter vor. Und wieder weist er sich als ein vielversprechendes, in seinem Spiel ganz und gar uneitles und schon gar nicht extravagantes Ausnahmetalent aus. Schon fast klassisch muss man vielmehr Debargues Beschäftigung gerade mit Bach und Beethoven nennen. Bachs c-Moll-Toccata BWV 911 erkundet Debargue ungemeint beseelt und mit dem nötigen Augenmerk für das bei ihm luftige und duftende Stimmengeflecht. Beethovens frühe Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10/3 kommt energisch, aber nie forciert, kostbar liedhaft und im langsamen Satz geradezu sakral anmutend rüber. Und mit der f-Moll-Sonate op. 5 vom Russen Nikolai Medtner steht schließlich ein Werk auf dem Programm, mit dem Debargue 2015 in Moskau auch für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Kein Wunder. Denn aus der jetzt vorliegenden Studioaufnahme schlägt einem eine von heroisch bis sentimental reichende Unruhe entgegen, die bewegt.

Guido Fischer, 12.11.2016



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