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Christopher Simpson

The Four Seasons

dhm/Sony 88875190982

dhm/Sony 88875190982
(74 Min., 12/2015)

Für die Gamben-Riege ist der Engländer Christopher Simpson einer ihrer großen Helden. Immerhin verdankt man ihm das Handbuch „The Divisons Viol“, das als nützliche Quelle für die improvisierten Verzierungen gilt, wie man sie im 17. Jahrhundert auf der Gambe beherrschen musste. Aber Simpson (1605 - 1669) hat darüber hinaus zwei Werkzyklen hinterlassen, die sich von ihren Titeln her mit den „Monaten“ bzw. mit den „Jahreszeiten“ beschäftigen. Simpsons wohl gegen Ende seines Lebens geschriebene vier „Seasons“ folgen einer genau festgelegten Satzfolge: So rundet stets eine Galliard das dreisätzige Format mit einer einleitenden Fantasie und einer Ayre ab. Dass dieser kammermusikalische Reigen für drei Gamben und Basso continuo aber keine lautmalerischen Wetterberichte à la Vivaldi zu bieten hat, ist so gar kein Makel. Dafür können nämlich die drei Gambistinnen von Sirius Viols – Hille & Marthe Perl sowie Frauke Hess – sich von einer auch musikantischen Gesprächskultur zeigen, wie man sie sich nicht besser wünschen kann. Mit auch leicht folkloristisch angehauchtem, tänzerischem Drive spielen sich die Musikerinnen und das von Lautenist Lee Santana angeführte Basso continuo-Team die Bälle zu. Dann wieder scheint man sich in einen Salon zurückzuziehen, um sich nach allen Regeln des kunstvollen Fantasierens Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Mit einer kleinen, inoffiziellen Fußnote endet übrigens diese Simpson-Hommage. Tatsächlich gibt es da noch ein 13., nirgendwo erwähntes Stück, in dem man in wunderbarster „Semper dolens“-Haltung auch über die Flüchtigkeit des Daseins meditiert.

Guido Fischer, 19.11.2016



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