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Melchior Schildt

Complete Organ Works

Léon Berben

Aelous/Note 1 AE11121
(78 Min., 10/2015) SACD

Geboren als Sprössling einer Organistenfamilie 1592 in Hannover, ausgebildet bei Sweelinck in Amsterdam, angestellt in Wolfenbüttel, am dänischen Hof und dann, nach dem Tod seines Vaters, in Hannover an dessen Kirche – eine frühbarocke Traumkarriere. Trotzdem kennen wir Melchior Schildt heute kaum mehr. Wenn wir seine Orgelwerke auf dieser CD hören, verwundert das noch mehr. Schildt beherrschte das gesamte Repertoire vom festlich-kraftvollen Präludium über Magnificat-Versetten bis hin zur kunstvollen mehrteiligen Choralbearbeitung. Léon Berben, einer der großen Spezialisten für die Darbietung solcher Musik an historischen Instrumenten, hat die 1624 erbaute Hans-Scherer-Orgel an St. Stephan in Tangermünde für diese großartige CD gewählt, und er entführt den Hörer in das Zauberreich des zeitgenössischen Orgelklangs mit seinen charakteristischen, mal erhebend kraftvollen, mal berückend zarten Farben. Wohlartikuliert, agogisch flexibel und stets prägnant registriert bringt Berben Schildts Orgelwerke optimal zur Geltung; er ergänzt das Programm um drei anonyme Kompositionen und einen Magnificat-Versettenzyklus von Delphin Strungk. Eine der drei anonymen Kompositionen ist ein Kantionalsatz über „Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“, der zur Grundlage einer kolorierten Version von Schildt wurde, welche Berben im Anschluss spielt. Die dritte Strophe desselben Liedes wurde gut ein Jahrhundert später zum Schlusschoral von Bachs „Johannespassion“; der kraftvolle Satz des unbekannten Meisters auf dieser CD und Schildts wunderschöne Bearbeitung sind, im Vorausblick auf Bach, ein bemerkenswertes Beispiel für die Kontinuität, mit der die frühe protestantische Kirchenmusik ihr Liedrepertoire gepflegt und durch permanentes Bearbeiten groß gemacht hat. Eine einzigartige Tradition.

Michael Wersin, 19.11.2016



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