Großes romantisches Musiktheater mit Dürre, Donner und Blitz, barmender Witwe, Baalspriestern, himmlischem Engelgesang und einem schon vor der Ouvertüre losorgelnden Propheten. Das alles und noch viel mehr ist Felix Mendelssohns den protestantisch flammenden Geist Johann Sebastian Bachs weitertransportierendes, aus dem Geist der britischen Chorfeste geborenes und 1846 in Birmingham (auf Englisch) uraufgeführtes Oratorium. Und so klingt es leider oft auch, wenn sich ein Dirigent im Vollfettmodus dem dann üppig schwerfälligen Werk nähert. Dabei gelang dem Nicht-Opernkomponisten Mendelssohn hier ausgepicht Dramatisches, Stimmungszauber und Glaubensintensität. Die sich jetzt der „Elias“-Debütant Thomas Hengelbrock geschenkt hat zum 25-jährigen Bestehen seines Balthasar-Neumann-Chores (aus dem auch die intensiv tönenden kleinen Rollen traten). 50 Choristen und 62 Musiker des gleichnamigen Ensembles lassen auf historischen Instrumenten in barocker Manier romantische Intensität aufblühen, voll und rund, mit durchaus üppigem Streicherklang, weichem Blech und flinken Holzbläsern. Ja, ergreifend. Da schillern die Farben, wechseln harmonisch die Stimmungen wie in einer klingenden Diashow, plastisch und beredt. Michael Nagy ist mit schlank geführtem Liedbariton kein pausbäckiger Papa als Prophet, sondern ein temperamentvoller Glaubenskrieger. Ann Hallenberg altorgelt sich royal durch die Partie der Königin. Lothar Odinius gibt sich verhalten tenorlyrisch, Genia Kühmeier singt seraphisch ihren Jenny-Lind-Hit „Höre, Israel“. Und die nächste „Elias“-Aufnahme folgt schon bald: Matthias Goerne mit dem Freiburger Barockorchester und Pablo Heras-Casado am Pult. Das wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen – zum Wohle des Kunden.

Matthias Siehler, 19.11.2016



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