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Camille Saint-Saëns

Klavierquintett, 1. Streichquartett

Quartetto di Cremona, Andrea Lucchesini, Andrea Lumachi

audite/Edel 1097728ADT
(64 Min., 3/2016)

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glatt vermuten, dass Camille Saint-Saëns sein a-Moll-Klavierquintett nicht nur im reifsten Komponistenalter geschrieben hat. Auch das immer wieder aufkeimende, verlockende Melos lässt einen an das Geschwisterwerk vom Kollegen Brahms denken. Aber dessen epochales Werk für diese kammermusikalische Gattung entstand eben erst fast zehn Jahre nach dem Wurf des gerade mal 20-jährigen Franzosen. Mit dem Klavierquintett von 1855 hatte Saint-Saëns zwar ein in allen Belangen beeindruckendes Meisterwerk komponiert, das vom Melodischen bis zur völlig unakademisch anmutenden Fugenkunst im Finalsatz keinerlei Wünsche offen lässt. Dennoch konnte selbst dieses Quintett den Ruf des Kammermusikkomponisten Saint-Saëns nicht nachhaltig aufpolieren.
Dies dürfte jetzt immerhin dem fünfköpfigen italienischen Musikerkollektiv um Pianist Andrea Lucchesini als Primus inter pares gelungen sein. Mit großem Schwung lässt sich dieses subtil aufeinander abgestimmte und reagierende Ensemble auf das Stück ein. Die sentimentalen Spannungen und Zerrissenheiten werden eindringlich und mit Nachdruck angegangen. Und im „Presto“, das aus dem Klavierquintett ein Klaviersextett werden lässt, kann Kontrabassist Andrea Lumachi makellos das Stürmische und Gehetzte dieser Musik mit vorantreiben. Eine weitere großartige kammermusikalische Visitenkarte von Saint-Saëns folgt danach mit seinem 1. Streichquartett op. 112 aus dem Jahr 1899. Das gleichfalls viersätzige und rund halbstündige Opus ist ein Ausbund an bewegender Unruhe und Virtuosität, an zupackender Kraft und Lust am Kontrapunktischen. Und wieder präsentieren sich die vier Streicher des Quartetto di Cremona technisch absolut perfekt und dabei auch irrwitzig temperamentvoll.

Guido Fischer, 26.11.2016



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