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Claude Debussy

Images, Jeux, La plus que lente

San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas

SFS Media/Edel 1000692AV2
(60 Min., 1/2013, 9/2013, 5/2014) SACD

Das Wundersamste gibt es ganz zum Schluss. Auch wenn bereits zuvor die beiden Orchesterklassiker von Claude Debussy, die „Images“ sowie „Jeux“, süchtigmachend delikat dahergekommen sind. Aber nun steht eben noch das Orchesterpoem „La plus que lente“ an. Dieser Walzer, der zunächst für das Klavier entstanden ist und dem Debussy auch mit so manchen Balkan-Aromen, etwa per Zimbel leicht exotisches Flair verliehen hat. Doch in seinem tiefsten Inneren ist dieses Stück quasi die ungemein zarte, verlockend schöne Antwort auf Ravels (natürlich viel später komponierten) Untergangs-„Valse“. Und Michael Tilson Thomas und die Musiker seiner San Francisco Symphony kosten diese luftige Stimmung jetzt nach allen Regeln der Herrlichkeit, der Süffigkeit, des (vorbildlichen) „impressionistischen Verismo“ aus – wobei die ständig ein- und ausatmenden Streicher zwischendurch eine hypnotische Wirkung erzielen, die einmal mehr an Debussys nie auskurierten Wagner-Virus erinnert. Bei aller Begeisterung für das Finalstück – Tilson Thomas & Co. ist hier im Grunde ein Debussy-Album geglückt, wie man es sich nicht luxuriöser in den Farben, kammermusikalisch konturierter und ausbalancierter im Klangbild wünschen könnte. Zumal man hier ständig das Gefühl hat, dass die Musiker diese Werke wirklich aus sich heraus spielen, entwickeln, gestalten – dem Leben übergeben.

Guido Fischer, 26.11.2016



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