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Now

Jacob Karlzon

Warner 9029594022
(40 Min.)

„Ich denke permanent über die Schnittstellen zwischen Technik und Natur nach“, sagt der schwedische Pianist Jacob Karlzon, „Technologie ist ein Teil unserer Umwelt. Wie können wir sie einsetzen, um unseren Planeten zu retten?“
Nun, ob „Now“, Karlzons neues Album, die Umweltzerstörung beendet und Frieden auf dem Planeten schafft, ist ein wenig fraglich. Als gesichert darf aber gelten, dass es dem über den Tellerrand schauenden Skandinavier gelungen ist, vermeintlich kalte Computertechnologie und warmherziges analoges Musizieren miteinander in Einklang zu bringen.
Diese Versöhnungsarbeit zwischen den beiden Welten, in der sich auf der einen Seite Synthesizer und Musikprogramme, auf der anderen Seite ein Trio mit dem e.s.t.-Bassisten Dan Berglund und dem Schlagzeuger Robert Mehmet Ikiz gegenüberstehen, ist mitunter so erfolgreich, dass man gar nicht mehr die Unterschiede wahrnimmt. Spielt Ikiz wirklich Schlagzeug – oder sind die melancholischen Dance-Grooves und dumpfen Bassdrum-Akzente auf die Viertel eine Maschinengeburt? Sind das Synth-Bläser, die man da im Thema des leicht nach Wellness-Oasen-Beschallung klingenden „The Ground Beneath“ hört – oder ist es doch Flügelhornist Lars Nilsson, wie in der Besetzungsliste verzeichnet?
Ist „Now“ in seiner engen organischen Vermengung der digitalen und menschlichen Ausdrucksmöglichkeiten durchaus zeitgemäß und fortschrittlich, so bleibt der Inhalt dann trotz Karlzons schwelgerisch-fingerfertiger Klaviersoli oftmals ein wenig trivial. Die Nummern trotten freundlich vor sich hin, nur selten – etwa, wenn Karlzon einen an Joe Zawinul und Scott Kinsey erinnernden Vocoder ins Gemisch wirft oder Bassist Berglund seinen Bass mit E-Gitarren-Verzerrung spielt – horcht man auf.
Weiter verwunderlich ist das nicht: Das Album soll laut Karlzon der Gegenwartserfahrung der Playlist Tribut zollen. Und wie das so ist mit diesen Streamingdienstlisten – sie dürfen nicht zu sehr von der Arbeit oder den eingehenden Smartphone-Nachrichten ablenken. Insofern ist „Now“ durchaus ein Kind seiner Zeit.

Josef Engels, 26.11.2016



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