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Pavel Josef Vejvanovsky

Festliche Barockmusik für Trompeten und Streicher

Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor

Panclassics/Note 1 PC10366
(73 Min., 3/1996)

Ein CD-Titel à la „Festliches Barock“ ist normalerweise nicht die Zierde einer ernstzunehmenden Veröffentlichung – zunächst vermutet man hier den x-ten Wiederaufguss einer goldgelben Schmetter-Schmonzette, bei der nicht selten auch Maurice André irgendwie mit von der Partie ist.
Bei der vorliegenden CD aus dieser Titel-Kategorie verhält es sich aber ganz anders – und daher gehört es sich, das Revival dieser schon 1996 entstandenen Aufnahme in den höchsten nur erdenklichen Tönen zu loben: Hinter dem ganz unbekannten Komponistennamen Pavel Josef Vejvanovsky – ein etwa 1633 geborener Mähre, der in Kremsier eine Lebensstellung fand – verbirgt sich ein Erste-Sahne-Repertoire, das von Gunar Letzbor und seinen Kombattanten zudem erstklassig zum Erklingen gebracht wurde: Von zeitloser Schönheit sind die Intraden, Sonaten und Serenaden frühbarocker Machart, die der Mähre zu Papier brachte – stilistisch sehr eigenständig gegenüber jenem (bekannteren) südlich der Alpen entstandenen Repertoire, das sich heute einer größeren Popularität erfreut.
Aber freilich ist die wertvolle Substanz allein nicht qualitätsentscheidend: Vor allem die Darbietung schlägt den Hörer unmittelbar in den Bann. Ein perfekt aufeinander eingespielter Streicher-Chor agiert hier wie ein einziges Instrument, unendlich biegsam und formbar in jeder Hinsicht. Hinzu kommen Bläser mit ebensolchen Qualitäten: Sie verstehen, dezent zu schmettern, ohne unangenehm präpotent aufzutrumpfen, und sie gebieten über eine einzigartige Klangkultur. Wer also festliche Barockmusik im weihnachtlichen Wohnzimmer wünscht, der greife unbedingt zu dieser CD.

Michael Wersin, 26.11.2016



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