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Peter Tschaikowski

Der Nussknacker, 4. Sinfonie

Valery Gergiev, Orchester des Mariinski Theaters

Mariinsky/Note 1 MAR0593
(129 Min., 2015) 2 CDs, SACDs

Ob die Archivare des St. Petersburger Mariinski-Theaters überhaupt noch die Aufführungsgeschichte von Tschaikowskis Balletthit „Der Nussknacker“ im Blick haben? Seit der Uraufführung am 18. Dezember 1892 dürfte es dort im Grunde in einer Dauerschleife rauf und runter getanzt und gespielt worden sein. Aber auch der musikalische Hausherr Valery Gergiev kennt diese Partitur seit Jahrzehnten wie seine Westentasche und hat sie mit seinem Orchester bereits für CD und DVD eingespielt. Nun hat man dieses Bündel voller Ohrwürmer mit Tschaikowskis 4. Sinfonie gekoppelt und auf dem hauseigenen Label herausgebracht. Und erneut ist man von Gergiev beeindruckt. Obwohl sein vielgepriesenes Arbeitspensum eher noch zugenommen hat, gibt er sich bei diesem Kernrepertoire so gar nicht routiniert. Das Gegenteil ist der Fall. Mit dem Orchester des Mariinski Theaters leuchtet er jede der noch so galant schimmernden Satzperlen geradezu kammermusikalisch und farbig aus, dass man sich allzu gerne wieder auf diesen „Nussknacker“ auch fernab der Weihnachtszeit einlässt. Allein der Besuch im Zuckerparadies entpuppt sich als ungemein gehaltvoll, ohne einem tonnenschwer im Magen zu liegen. Und der „Arabische Kaffee“ kommt so verlockend mit orientalischen Klangdüften daher wie der „Chinesische Tee“ auf Spitzen-Sohlen. Detailfreudigkeit bei gleichzeitigem Gespür für Tschaikowskis nie vordergründig brillante Instrumentationskunst gehören da zu den grundlegend positiven Zügen dieser Neueinspielung. Und warum sie zugleich für die extrem hohe russische Orchesterkultur auch im 21. Jahrhundert steht, bekommt man bei der 4. Sinfonie vorgeführt. Nichts Ordinäres, Über-Romantisches, gar Tränendrüsiges wird hier geboten. Stattdessen geht das Orchester mit großartiger Prägnanz bis in die feinsten Flötenverästelungen hinein (3. Satz) zur Sache, als ob man die russische Ausgabe des Chicago Symphony Orchestra wäre.

Guido Fischer, 10.12.2016



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