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Matthias Weckmann

Complete Works

Ricercar Consort, La Fenice, Bernard Foccroulle, Siebe Henstra

Ricercar/Note 1 RIC 369
(373 Min., 1988 - 2013) 5 CDs

Diese 5-CD-Box, die das gesamte bekannte Werk von Matthias Weckmann enthält, fasst unterschiedliche ältere Veröffentlichungen zu einer Gesamtschau zusammen. Die Geistlichen Concerti wurde im Jahre 1992 eingespielt und zeichnen sich aus durch die hohe instrumentale Qualität, die auf vokaler Ebene nicht immer ihre vollwertige Entsprechung findet: Der Counter James Bowman etwa war seinerzeit nicht auf der vollen Höhe seines Könnens, und der Bassist Max van Egmond erscheint bisweilen etwas strohig, im Timbre nicht ganz ausgewogen. Insgesamt ist jedoch der Wert dieser frühen Gesamtschau der geistlichen Werke nicht zu unterschätzen – die Wiederveröffentlichung im erweiterten Rahmen ist daher durchaus zu begrüßen.
Noch älter, laut Beiheft nämlich von 1988, ist die Einspielung der Cembalo-Werke durch Siebe Henstra; man mag indes nicht ganz begreifen, wie dann zwei der von ihm verwendeten Cembali Anfang der 90er Jahre gebaut sein können, wie ebenfalls im Beiheft angegeben. Wie auch immer: Die selten zu hörenden Suiten, Toccaten, Canzonen und Liedbearbeitungen sind sehr reizvoll; Henstra verwendet historische Stimmungen, die die unterschiedlichen Klangcharaktere der Tonarten teils sehr stark hörbar machen. Die sehr direkte Abnahme des Klangs führt zu einem sehr fülligen, kräftigen Eindruck.
Recht neu – von 2012 und 2013 – sind Bernard Foccroulles Einspielungen der Orgelwerke auf zwei CDs, entstanden in Hollern (St. Mauritius), Hamburg (St. Katharinen) und Stade (St. Cosmae und Damian). Foccroulle ist einer der führenden Spezialisten für das frühbarocke norddeutsche Repertoire, die von ihm verwendeten Orgeln sind prächtig – hier gibt es also nicht das Geringste auszusetzen.
Unterm Strich ist die Weckmann-Box also trotz weit gespreizter Aufnahmedaten und gewissen Schwankungen im interpretatorischen Niveau (auf Sänger-Seite) durch und durch zu empfehlen, vermittelt sie doch nicht nur einen Überblick, sondern vielmehr einen tiefen Einblick in das Schaffen dieses noch immer zu wenig bekannten Meisters.

Michael Wersin, 10.12.2016



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