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John Dowland

Tell Me True Love (Songs, Stücke für Lauten und Consort)

Joel Frederiksen, Ensemble Phoenix Munich

dhm/Sony Classical 88985360712
(63 Min., 11/2015)

Als der amerikanische Bass, Lautenist und Ensembleleiter Joel Frederiksen 2012 das Album „Requiem For A Pink Moon“ herausbrachte, staunte man nicht schlecht. Immerhin hatte Frederiksen einen verblüffenden Brückenschlag zwischen zwei musikalischen Melancholikern geboten, zwischen denen fast 400 Jahre liegen. Und für das Porträt der beiden Seelenverwandten, John Dowland und dem englischen Pop-Barden Nick Drake, hagelte es auch sofort Auszeichnungen. Vier Jahre nach diesem Erfolgsprojekt hat sich der schon lange in Deutschland lebende Frederiksen nun ganz auf John Dowland fokussiert. Ausgewählt hat er einen repräsentativen Querschnitt durch Dowlands reichen Songschatz. So wechseln sich bekannte Stücke wie das extrem berührende „Flow My Tears“ oder das freche „Fine Knacks For Ladies“ mit selten zu hörenden Songperlen ab. Und dazwischen gibt Frederiksen mal solistisch, mal mit seinen Mitstreitern des Alte-Musik-Ensembles Phoenix Munich Kostproben vom Lauten- und Gambenkomponisten Dowland.
Von der Papierform her befindet man sich auch angesichts der Flut an Dowland-Einspielungen, die in den letzten Jahren erschienen sind (u.a. von Lee Santana, Sirius Viols, Iestyn Davies), auf durchaus bekanntem Terrain. Aber Frederiksen spielt auch hier wieder in einer eigenen Liga. Nicht nur, weil er ein ungemein körperreiches, geschmeidiges bis malzig-süßes Bass-Bariton-Organ besitzt. Frederiksen gibt sich in den Songs als ein Troubadour, der aus der Distanz sein ersehntes Glück beschwört. Und auch in den todtraurigen Momenten, in „In Darkness Let Me Dwell“ etwa, besingt er das Leid innig und tief – und bewahrt dabei doch die nötige Haltung. Die schon vielfach aufgelegte Dowland-Story, hier wird sie wirklich verblüffend anders und dabei so einfach neu erzählt.

Guido Fischer, 17.12.2016



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