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Thomas Tallis

Spem in alium

The Cardinall’s Musick, Andrew Carwood

Hyperion/Note 1 CDA68156
(76 Min., 11/2015)

Die bis heute in ihrer Pracht und Größe faszinierende 40-stimmige Motette „Spem in alium“ ist nur der zugkräftige Aufhänger dieses Thomas-Tallis-Programms, das auch darüber hinaus von der ersten bis zur letzten Note hörenswert ist: Andrew Carwood darf mit seinem Konzept des trotz aller historisierenden Objektivität doch eher kräftigeren vokalen Zugriffs auf die Vokalpolyphonie als idealer Interpret für die spezielle englische Ausprägung dieses Repertoires gelten, die mit ihrem großen Gesamt-Stimmumfang bis in die hohe Sopranlage per se beträchtliche Kraft und klangliche Wucht zu entfalten vermag.
Neben Motetten der oben beschriebenen Satzart hören wir aber auch schlichtere englischsprachige Gesänge für die seinerzeit neuen liturigschen Formen des anglikanischen Ritus: Solche Werke – Psalmvertonungen, lukanische Cantica – faszinieren als Zeugnisse einer religiösen Aufbruchszeit wiederum durch ihre Schlichtheit und bewegende Klarheit. Tallis ist wie auch sein Zeitgenosse William Byrd Meister nicht nur eines Epochenübergangs, sondern auch Mitgestalter eines tiefgreifenden theologisch-pastoralen Wandels; das Leben in bewegten Zeiten war für diese Komponisten, die durch ihre Werke permanent „Farbe bekennen“ mussten, alles andere als einfach. Andrew Carwoods geradlinige, zupackende Interpretationen dieser Musik lassen den sensiblen Hörer auch den spannungsreichen zeitgeschichtlichen Hintergrund stets miterahnen. Eine sehr gelungene CD.

Michael Wersin, 24.12.2016



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