Responsive image
Carlo Gesualdo

O dolce mio tesoro

Collegium Vocale Gent

Phi/Note 1 LPH024
(67 Min., 8/2015)

Die Überraschung vor dem Fest: Nur sehr punktuell hat sich Philippe Herreweghe bisher per CD mit der Musik Don Carlo Gesualdos zu Wort gemeldet – namentlich waren es einmal die kompletten, einmal nur die samstäglichen Responsorien der Karwoche, die er mit einer Auswahl von Sängern seiner Ensembles vorgelegt hat. Anders als bei den genannten früheren Produktionen widmet er sich nun den Madrigalen des sagenumwobenen Meisters, und gattungsbedingt lässt er diese nun in solistischer (statt bei den Responsorien in doppelter) Sängerbesetzung vortragen. Und ein weiteres Novum: An der Spitze des aktuellen Ensembles steht mit Hana Blažiková ein ausgewiesener Gesangsstar; quasi „gegenüber“ wurde mit Peter Kooij ebenfalls ein Sänger mit ausgeprägter solistischer Erfahrung positioniert.
Solchermaßen gerüstet produzierte Herreweghe eine wahrhaft großartige Einspielung des sechsten – und letzten – Madrigalbuches von Gesualdo, das noch einmal all diejenigen prägnanten Stilmerkmale präsentiert, die man als Markenzeichen des düsteren Adligen kennt: exzessive Chromatik mit zahlreichen bewusst gesetzten „Satzfehlern“ nebst aufwühlend durchbrochener Satztechnik zwischen klassischer Polyphonie, figurenbasierten Frühformen musikalischer Rhetorik und deklamationsorientierter Homophonie. Kurzum: ein Fest für die Freunde einer ausdrucksstark und quasi kompromisslos vom hochemotionalen Text her gedachten Musik, dargeboten in vorbildlicher Weise. Herreweghes wohl eher „ad hoc“ so zusammengestellte Gruppe reicht gerade in puncto Ensemblequalität ohne Weiteres an die einschlägigen fest formierten Madrigal-Kompanien heran. Fünf bzw. sechs Sänger, begleitet übrigens von einer Laute: Sollte Herreweghe dieses hochkompetente Häuflein wirklich auch noch dirigiert haben, oder steht sein Name auf dieser empfehlenswerten CD allein für die Einstudierung?

Michael Wersin, 24.12.2016



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Der Cello-Horizont scheint leider ziemlich begrenzt: Die Brahms-Sonaten kennt man, die von Chopin natürlich, von Richard Strauss. Aber wer hat schon wirklich die Sonaten aus England auf dem Schirm – von Frank Bridge etwa oder Arnold Bax?! Zum Glück hat sich Cellist Johannes Moser mit seinem bewährten Partner am Klavier, Paul Rivinius, 2010 genau diesen beiden spätromantischen Kammermusikentdeckungen gewidmet und sie mit der etwas bekannteren Cellosonate von Benjamin Britten op. 65 […] mehr »


Top