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The Grand Dance

Petter Bergander Trio

Herbie Martin Music/Edel 1020349HMA
(58 Min.)

Petter Berganders erste musikalische Liebe war eine Philicorda-Heimorgel, die er in jungen Jahren für sich entdeckte. Auch im Erwachsenenalter, als seriöser Pianist, will er den Klang des Holzkastens mit seinen Oszillatoren offenbar nicht missen: Immer wieder versieht er die Themen auf „The Grand Dance“, seiner ersten Veröffentlichung außerhalb seines Heimatlandes Schweden, mit retrosynthetischen Elementen.
Die Sounds, die er dem Flügel beimischt, haben freilich nichts mehr von Heimorgel-Gurgeln, sondern erinnern irgendwie an ein Akkordeon und somit auch ganz entfernt an Joe Zawinul, dessen erstes Instrument ein Schifferklavier war. Bergander geht in seiner elektroakustischen Fusion freilich nicht so weit wie beispielsweise Landsmann Jacob Karlzon, der auf seinem aktuellen Album an einer engen Verzahnung moderner Klangwelten arbeitet.
Bergander hingegen, der in der Vergangenheit unter anderem bei Nils Landgren oder der jazzaffinen Singer/Songwriterin Sofia Pettersson angestellt war, belässt es auf „The Grand Dance“ bei gelegentlichen Farbtupfern und bewegt sich mit seinen Begleitern, Martin Höper am Kontrabass und Robert Mehmet Sinan Ikiz am Schlagzeug, freundlich tänzelnd auf dem weiten Feld der skandinavischen Grenzland-Musikgewinnung zwischen Jazz, Pop und imaginärem Volkslied.
Dabei erweist er sich einerseits als ähnlich anschlagssensibel kultiviert wie etwa Kollege Jan Lundgren („Wedding Song“, „Rapids Mountain“), zeigt aber auch andererseits wiederholt, dass ihm Ausflüge zum lateinamerikanischen Tanz („The Soap“, „One“, „El Encuentro“) oder zu Nirvanas Grunge-Rock („Cliff Jump“, „Just Dance“) keineswegs fremd sind.
Die knochentrockenen und dezent mit digitalen Effekten verzierten Grooves von Schlagzeuger Ikiz, die wie ein Update von James Browns „funky Drummer“ Clyde Stubblefield klingen, wirken auf „The Grand Dance“ schließlich wie feste Ballettstangen: Sie geben dem leicht konsumierbaren Material Halt und verhindern den Absturz ins allzu Seichte.

Josef Engels, 07.01.2017



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