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Ernst Krenek, Alexander von Zemlinsky

Reisebuch aus den österreichischen Alpen, Lieder

Florian Boesch, Roger Vignoles

Hyperion/Note 1 CDA68158
(59 Min., 10/2015)

In die Musikgeschichtsbücher hat sich Ernst Krenek mit seinem Jahrhundertopern-Knaller „Jonny spielt auf“ von 1927 eingetragen. Viele Werke des Österreichers und Mitwegbereiters der Moderne haben es dagegen nie aus dem Schatten des Erfolgsstücks geschafft. Zu den wenigen Kompositionen, für die sich sporadisch aber immerhin selbst so manche Starsänger einsetzen, gehört Kreneks Liederzyklus „Reisebuch aus den österreichischen Alpen“. 1929 und damit zwei Jahre nach dem „Jonny“ und neun Jahre vor Kreneks Emigration in die USA geschrieben, erwies er hiermit einerseits seinem Idol Franz Schubert eine Reverenz. Zugleich spannte Krenek auch in seinen selbst verfassten Gedichten den Bogen vom augenzwinkernden Chronisten des Alpentourismus hin zu den politisch aufziehenden, tiefschwarzen Wolken. Mit Bariton Florian Boesch hat sich nun endlich wieder – nach Wolfgang Holzmairs nun auch schon fast 20 Jahre zurückliegenden Einspielung – ein idealer Meisterinterpret für Kreneks reizvolles, besonders von melancholischen Schüben durchpulstes Klangkaleidoskop gefunden. Und bei den moritatenhaften Anleihen sowie varietéhaften Zügen kann Boesch gleichermaßen von frech bis einschmeichelnd auftrumpfen und sich dabei auf die sichere wie einfühlsame Hand seines Begleiters Roger Vignoles verlassen. Als Bonus gibt es noch vier frühe Lieder vom Krenek-Förderer Alexander von Zemlinsky. Und auch bei diesen spätromantischen, wunderbar bittersüßen Vertonungen u.a. von Heine und Eichendorff berührt und verzaubert Boesch mit nobler Empfindsamkeit.

Guido Fischer, 07.01.2017



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